Von der Au-pair-Stelle übers FSJ in die Altenpflege-Ausbildung

Der Winter ist kalt, aber die Menschen sind lieb, sagt die Kenianerin Peninah Muiru (21) über Deutschland. Als Au-pair-Mädchen kam sie nach Hannover und hat dort nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr nun ihre Ausbildung zur Altenpflegerin angefangen.

Klischee hin oder her – „Hier ist es ganz schön kalt!“ war das erste, was Peninah dachte, als sie im Dezember 2010 bei Temperaturen unter null ankam. Bei kuscheligen 30 Grad plus war sie in ihrer Heimat losgeflogen, von Schnee hatte sie bis dahin noch nichts gehört oder gesehen! Von Deutschland sah sie dafür bald umso mehr, vor allem die Tagesförderstätte Bothfeld, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung der Gesellschaft für integrative Behindertenarbeit. Nach einer Beratung bei der Diakonie Hannover wurde sie als FSJlerin dorthin vermittelt.

„Ich war in der Koralleninsel-Gruppe der Tagesförderstätte eingeteilt“, erzählt Peninah, „Meine Aufgaben waren einkaufen, mit den Menschen mit Behinderung kochen und spielen, zum Beispiel „Mensch ärgere dich nicht“, und sie zur Toilette begleiten. Ich habe gelernt, Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Zuerst war es schwer, aber mit der Zeit wurde alles besser!“ Besser wurde auch Peninahs Deutsch, das musste sie nämlich erstmal lernen. „Es war besonders schwer, die Sprache der Menschen mit Behinderung zu verstehen!“ Ein VHS-Kurs und die Kollegen haben geholfen, heute hat sie keine Probleme mehr. Und auch im Kochen ist die 21jährige jetzt richtig gut – jede Menge Rezepte hat sie während ihres FSJs gesammelt!

Eineinhalb Jahre sind vergangen. Peninah wird in Deutschland bleiben und hat gerade eine Ausbildung zur Altenpflegerin im evangelischen Bildungszentrum Birkenhof angefangen. „Ich habe mich dafür entschieden, weil ich gerne mit Menschen Kontakt habe und besonders gerne alten Menschen helfe“, sagt sie. „Auf die erste Bewerbung für eine Ausbildungsstelle habe ich eine Absage bekommen, aber mit der Hilfe meiner Kollegen Reinhold Koch und Mechthild Passarge hat es dann geklappt!“

Klar vermisst Peninah ihre Familie in Kenia, die sie vor Monaten zuletzt gesehen hat: „Anfangs hatte ich starkes Heimweh, aber jetzt ist es nicht mehr so schlimm. Als junge Frau in einem anderen Land – das ist auch ein gutes Gefühl! Es ist schön, neue Menschen kennenzulernen. Und ich freue mich, wenn sie mir Fragen über meine Heimat stellen, zum Beispiel: ‚Wie heiß ist es in Kenia?‘ Viele Menschen sind lieb zu mir. Ich weiß noch nicht, ob ich in drei Jahren zurück nach Kenia fliegen möchte – oder muss.“

Das ist ja auch noch lange hin. Jetzt ist erstmal Peninahs größter Wunsch, die Klausuren und Prüfungen während der Ausbildung zu bestehen. Ihr Traum ist es, eines Tages Medizin zu studieren. Ob in Kenia oder in Deutschland – Ärztin möchte sie auf jeden Fall werden.

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