Kann eigentlich jede/r süchtig werden? Thema Suchtberatung im FSJ-Seminar

„Jede Sucht hat einmal als Suche begonnen.“ (Andreas Tenzer) Sei es Alkohol, seien es Drogen, seien Glücksspiele oder Medien. Alle diese Dinge haben ein hohes Suchtpotential und ziehen viele Menschen in ihren Bann. Sie bringen Kontrollverlust, gesundheitliche Schäden und häufig soziale Isolation mit sich und führen die Abhängigen an Abgründe. Niemand ist definitiv davor bewahrt, einer Sucht zu verfallen, vor allem durch das aktuelle Konsumverhalten der Gesellschaft und die Präsenz all der „Abhängigkeitsquellen“. Die Frage, die sich stellt, ist, warum manche Menschen süchtig werden, warum einige davon loskommen und andere wieder nicht. Ob es etwas mit Schwäche zu tun hat oder ob eine Verkettung unglücklicher Umstände im Leben des Einzelnen der Auslöser ist. Hat jede Sucht einmal als Suche begonnen?

Michelle 2Hallo ihr Lieben, diese Woche war ich nicht wie sonst in der integrativen Kindertagesstätte „Elfriede Westphal“  tätig, sondern nahm am dritten Seminar teil. Im Zuge meines Freiwilligen Sozialen Jahres gibt es fünf dieser Bildungsseminare, diesmal fand es in Groß Lobke statt. Das letzte, von dem ich im November bereits berichtete, hatte das Oberthema Behinderungsbilder, diesmal ging es um Süchte. Aus verschiedenen Quellen erfuhren wir einiges über die unterschiedlichen Abhängigkeiten. Zum einen wurden Vorträge über Glücksspiel-, Alkoholsucht und Co-Anhängigkeit von den FSJlern meiner Seminargruppe gehalten und zum anderen bekamen wir Besuch von einer Suchtberaterin, die auf abhängige Frauen spezialisiert ist. Außerdem besuchten wir ein Suchtklinikum in Hildesheim und konnten dem leitenden Arzt dort einige Fragen stellen.

Wir sprachen viel, fragten  viel, erfuhren viel. Was eine Sucht ist, wie sie entsteht. Welche Süchte es gibt und wie Menschen davon loskommen können. Es stellte sich als sehr schwierige Thematik dar, denn natürlich ist jeder zunächst der Meinung, er könne nicht in eine Anhängigkeit geraten. Doch wie sich herausstellte ist niemand ganz frei von dem Risiko. Häufig zählen schlimme Schicksalsschläge zu den Auslösern, die Kontrollverlust und das Vergessen-Wollen hervorrufen. Wir können nicht wissen, was einmal auf uns zukommt und wie wir es schaffen damit umzugehen. Extremer Stress am Arbeitsplatz, der Verlust eines geliebten Menschen oder erdrückende Einsamkeit. Dies sind alles Faktoren, die das Suchtpotential in die Höhe treiben KÖNNEN. Ich bin der Meinung, dass sich die Gesellschaft diese Gefahr stets bewusst machen sollte, aufklärend, um möglicherweise einige Menschen in gewisser Weise vor einer Suchtkrankheit zu schützen.

Sowohl die Suchtberaterin als auch der Arzt sprachen über aufbauende Ursachen. Doch beide verfolgten teilweise unterschiedliche Ansätze. Sie eher verhaltenspsychologisch, er doch eher medizinisch. Der Neurologe beispielsweise ist von einer genetischen Veranlagung überzeugt, die Beraterin absolut nicht. Es wurde klar, dass es viele verschiedene Standpunktegibt und auch weiterhin geben wird, auch wenn sich einige Erklärungen über den Ursprung der Entstehung von Sucht gleichen. Häufig hat es etwas mit dem frühen sozialen Umfeld und dem Aufwachsen, dem Familienleben zu tun. Eine schwierige Kindheit, vor allem in Verbindung mit Gewalt und Missbrauch oder aber auch Vernachlässigung, können sehr prägend sein und zu einer Sucht führen. Doch auch das Gegenstück, das völlig „heile“ Familienleben, das jegliche Konflikte vermeidet oder vom Kind fern hält und somit zu einem nahezu „konfliktunfähigen Menschen“ führt, kann sehr prägend sein und durch die schnelle Überforderung mit einer kniffligen Situation im späteren Leben, zu einer Sucht führen.

Somit kommen wir zum Eingangszitat zurück. Hat jede Sucht einmal als Suche begonnen? Ich persönlich bin, vor allem nach dem Seminar, der Meinung dass man das so sagen kann. Sei es die Suche nach Schmerzlinderung, nach Vergessen, danach, abends abschalten zu können, oder danach, Stress zu bewältigen. Sei es die Suche nach der Verdrängung von etwas, nach der Flucht vor Überforderung, nach der Überwindung von Ängsten oder nach gesellschaftlicher Anerkennung.

Sicher kann man nie nur schwarz oder weiß sehen und es gibt immer Zwischentöne. Es gibt Menschen die aus Genuss anfangen und dann die Grenze nicht mehr erkennen und einfach in den Bann der Abhängigkeit gezogen werden, doch ich glaube, dass dies nicht die Regel ist. Und das sollten wir uns immer wieder bewusst machen. Das Leben ist nicht immer leicht und es kommen Situationen, in denen wir nicht weiterwissen und das Abhängigkeitspotential steigt, weil es vielleicht einfacher ist oder zumindest scheint. Doch man sollte stets versuchen, sein Konsummaß zu finden und bei Problemen einen anderen Weg zu gehen, auch wenn es nicht immer leicht ist, sich dessen bewusst zu werden. Ich persönlich finde, es müsste in der Gesellschaft, vor allem in der Jugend, deutlich mehr aufgeklärt werden! Liebste Grüße, Michelle 🙂

 

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