Karrierechance: Selbstständigkeit im Sozial- und Pflegebereich (1.4.14)

Arbeitszeit und Privatleben sind nicht mehr so richtig zu trennen, dafür ist man sein eigener Herr: als Gründer eines Unternehmens im Sozial- und Pflegebereich. Das kann ein ambulanter Pflegedienst sein, ein soziales Kiezprojekt oder oder oder. Unsere freie Autorin Laura Fricke stellt euch zwei Gründer vor, einer jung, eine schon etwas älter, und hat Tipps und Tricks für euch zusammengetragen: Worauf muss man achten, damit die Selbstständigkeit zum Erfolg wird und man auch davon leben kann?

MaikGerade Anfang 20 war Maik, als er mit anderen Studenten das Hiphop- und Graffiti-Projekt „The Bridge“ für Jugendliche und Kinder in Braunschweig gründete. Ariane dagegen hat lange als Krankenschwester gearbeitet und dann eine Weiterbildung zur Verfahrenspflegerin gemacht. Was die beiden gemeinsam haben? Sie haben sich in ihren Bereichen selbstständig gemacht. Schon seit zwei Jahren organisiert und leitet Maik Seminare und Workshops zu Graffiti und Hiphop und finanziert sich mit dem Projekt nebenbei das Studium. Anders als Maik ist Ariane erst seit kurzem selbstständig und besucht als Verfahrenspflegerin Krankenhäuser und Pflegeheime, um Alternativen für pflegerisches Handeln zu zeigen. Dabei arbeitet sie jetzt schon in Vollzeit, auch wenn sie noch sagt: „Ich baue meine Selbstständigkeit Schritt für Schritt auf.“ Wie bei vielem in der Selbstständigkeit ist der Zeitaufwand vom Engagement abhängig. „Je nachdem wie viel Werbung man für sich macht und vernetzt, dementsprechend kann man lang arbeiten“, sagt Maik. Es gibt Wochen, an denen der Student der Sozialen Arbeit täglich im Projekt ist, „als wäre das mein Hauptberuf und dann ist wieder eine Woche lang nichts.“ Den Umstand kennt Ariane: Während sie im Februar kaum Aufträge hatte, kamen im März gleich fünf – innerhalb einer Woche. „Mit der Auftragslage muss man schon zwölf Stunden am Tag arbeiten und am Wochenende auch.“

Eine Herausforderung sieht Professor Ludger Kolhoff, Dozent an der Ostfalia Hochschule, darin, von der Selbstständigkeit leben zu müssen. Denn gerade im sozialen Bereich sind die meisten Einrichtungen gemeinnützig und dürfen keine Gewinne erzielen. Dazu kommt erschwerend: „Die Kunden im sozialen Bereich sind in der Regel nicht die, die die Leistung bezahlen.“ Bezahlt werden die sozialen Dienstleistungen von Sozialämtern oder Jugendämtern. Und die muss man erst einmal von der Qualität seiner Leistungen zum kleinen Preis überzeugen – in Konkurrenz zu großen Trägern. Das Problem der Bezahlung kennt auch Gründungsberaterin Jutta Overmann von der Unternehmensberatung bbu consult. In vielen Fällen würde sich eine Selbstständigkeit vom Finanziellen her nicht lohnen, sagt sie. Also gründen nur aus Idealismus und Gründen der Selbstverwirklichung? Wer von seiner Idee trotzdem überzeugt ist, dem empfiehlt Overmann, es mit einem Projekt zu versuchen. Grundsätzlich sinnvoll sei es, eine Geschäftsidee mal auf Papier zu bringen. Damit könne man dann ein Gründerseminar besuchen, nach dem die Fragen rund um das Vorhaben oft klarer würden.

Unsere Helden des AlltagsFragt man Ariane, was unverzichtbar in der Selbstständigkeit ist, kennt sie eine klare Antwort: „Berufserfahrung“ und zwar in unterschiedlichen Einrichtungen. Eine Antwort, die Frau Overmann unterstützt. „Die Leute, die sich ernsthaft selbstständig machen wollen, sind fast alle älter, weil sie Berufserfahrung mitbringen.“ Zwar gibt es Ausnahmen wie Maik von „The Bridge“, doch die meisten könnten mit Anfang 20 keine Berufserfahrung und Referenzen aufweisen – unerlässlich, wenn man zum Beispiel Kinder in der eigenen KiTa betreuen möchte. Für ganz junge Leute mit Selbstständigkeitsvorstellung empfiehlt Jutta Overmann, eine Berufswegeplanung zu machen und bei großen Trägern Berufserfahrung sammeln. Wichtig ist auch den Kontakt zu den Kostenträgern wie den Sozialversicherungen zu knüpfen, ergänzt Herr Kolhoff: Denn sie entscheiden, ob eine Dienstleistung bezahlt wird. Maik hat da mit seinem Projekt Glück gehabt: Aus Interesse an Hiphop ist er in das Studentenprojekt eingestiegen und mit „The Bridge“ gewachsen. Als Student hat der heute 23-Jährige die Möglichkeit, noch viel auszuprobieren. Was würde Maik jemandem mitgeben, der sich selbstständig machen möchte? „Ich würde jeden ermutigen, der eine Idee hat, mal erste Schritte zu gehen und zu gucken, was dabei herauskommt.“

Konkrete Tipps: Hier geht’s zu den Do’s und Don’ts für Gründer!

Azubine Maja

Veröffentlicht von

34 Jahre alt, Referentin Jugendkommunikation Online beim DW EKD

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