Gegenargumente: Diakonie und Caritas entkräften die 6 meistgenannten Argumente gegen die neue Pflege-Ausbildung

Film zur Generalistischen Pflegeausbildung: www.soziale-berufe.com/generalistische-pflegeausbildung

Film zur Generalistischen Pflegeausbildung: www.soziale-berufe.com/generalistische-pflegeausbildung

Diakonie und Caritas haben ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie die sechs meistgenannten Argumente gegen die neue Ausbildung Pflegefachfrau/mann entkräften. Wir übersetzen das hier mal aus dem Fachchinesisch in Normaldeutsch (siehe unten). Für alle, die es noch nicht wissen: Die neue Generalistische Pflegeausbildung fasst in Zukunft die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammen.

GEGENARGUMENT 1: Pflegefachfrau/männer können von allem ein bisschen und nichts so richtig! STIMMT NICHT:

  • Pflegefachfrauen/männer lernen intensiv die Pflege-Basics und können sich dann in die unterschiedlichen Bereiche schnell einarbeiten.
  • Ein Alten- oder Krankenpfleger muss sich auch heute schon in jeden neuen Arbeitsbereich neu einarbeiten (z.B. beim Wechsel von der stationären in die ambulante Pflege, von der Intensivpflege in die Geriatrie). Daran ändert die neue Pflegeausbildung nichts.
  • Die praktische Ausbildung wird sogar verbessert, weil die Azubis Praxiseinsätze in allen drei Bereichen haben (Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege). So bekommen sie einen viel besseren Überblick!

GEGENARGUMENT 2: Es ist nicht möglich, die Inhalte von 3 spezialisierten Pflegeausbildungen in einer einzigen Ausbildung zu vermitteln, die genauso lange dauert. Wichtige Inhalte gehen verloren. STIMMT NICHT:

  • Zwischen 80 und 90 Prozent der Ausbildungsinhalte in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege sind sowieso auch jetzt schon gleich!
  • Pflegefachfrauen/männer können und sollten sich jederzeit weiterqualifizieren und in einer Fortbildung auf einen Pflegebereich spezialisieren (wie z.B. psychiatrische Pflege, Palliativ Care). Das ist aber auch jetzt in den getrennten Pflegeberufen schon notwendig.
  • Es entsteht ein neues, stärkeres Berufsbild, ein besseres Image des Pflegeberufes. Weg vom Vorurteil „Altenpflege kann doch jeder“ hin zum Pflegefachmann/frau, der/die für ein komplexes Arbeitsfeld gut ausgebildet ist: „Pflege kann nicht jeder!“
  • Auch jetzt schon gibt es Altenpfleger, die im Krankenhaus arbeiten, und Krankenpfleger, die im Altenpflegeheim arbeiten. Und niemand stellt ihre Qualifikation infrage!

GEGENARGUMENT 3: Die fertig ausgebildeten Pflegefachfrauen/männer werden alle in der Krankenpflege arbeiten wollen, die Altenpflege wird der Verlierer sein! STIMMT NICHT:

  • Auch heute schon können junge Leute mit dem gleichen Schulabschluss (Hauptschulabschluss, Mittleren Reife) zwischen allen drei Pflegeberufen (ggf. Helferausbildung) wählen – und es entscheiden sich viele für die Altenpflege. Der Grund: Sie möchten nicht in der Akutpflege arbeiten, wo sie alle paar Tage mit neuen Patienten zu tun haben, sondern in der Langzeitpflege, wo sie eine Beziehung zu den Bewohnern aufbauen können.
  • Die Altenpfleger und Krankenpfleger, die die Ausbildung nach dem „alten“ Gesetz gemacht haben, sind nicht plötzlich weniger wert. Sie sind den neuen Pflegefachmännern/frauen gleichgestellt und behalten ihren Status als Fachkraft.

 

GEGENARGUMENT 4: Durch die neue Pflegeausbildung werden die Bewerber- und Auszubildendenzahlen zurückgehen. STIMMT NICHT:

Wir rechnen mit mehr Bewerbern und Azubis als je zuvor. Denn der Pflegeberuf wird attraktiver:

  • Pflegefachfrauen/männer können einfacher als bisher im Laufe ihrer Karriere zwischen den verschiedenen Pflegebereichen wechseln und sich neue Herausforderungen suchen. Der Pflegeberuf wird so zu einem „Beruf fürs Leben“.
  • Die Generalistische Pflegeausbildung wird im Unterschied zur bisherigen Altenpflegeausbildung im gesamten EU-Ausland anerkannt. Pflegefachfrauen/männer können überall in der Europäischen Union arbeiten!
  • Das Gesetz zum neuen Beruf Pflegefachfrau/mann legt zum ersten Mal Tätigkeiten fest, die nur Pflegefachfrauen/männer durchführen dürfen! Damit sind die Pflegekräfte nicht mehr nur Assistenten der Ärzte, sondern haben eigene Verantwortungsbereiche.
  • Es wird eine längere Übergangsphase geben, in der sich die Pflegeschulen langsam auf die neue Ausbildung umstellen können. So wird dafür gesorgt, dass keine Ausbildungsplätze wegbrechen.

GEGENARGUMENT 5: Die neue Pflegeausbildung ist teuer. STIMMT NICHT:

  • Es gibt eine so genannte neue „Finanzierungsumlage“. Die entlastet besonders die Altenpflege-Einrichtungen, weil sie die Ausbildungskosten gerechter verteilt.
  • Nicht nur die Krankenkassen, sondern auch die Pflegekassen und die Bundesländer finanzieren die neue Ausbildung gemeinsam. Die Kosten werden auf mehrere Schultern verteilt. Die Ausbildungsstätten fühlen sich nicht mehr benachteiligt und haben mehr Lust, die Pflegeausbildung anzubieten.
  • Auch die Kosten für die Praxisanleiter werden refinanziert. Alle Ausbildungsstätten müssen Praxisanleiter einsetzen.
  • Für alle Pflegefachfrauen/männer gilt: Die Ausbildung kostet kein Schulgeld und sie bekommen eine angemessene Ausbildungsvergütung.

GEGENARGUMENT 6: Durch die neue Pflegeausbildung gehen Ausbildungsplätze verloren. STIMMT NICHT:

  • Es gibt neue Anforderungen in der Pflege und die „Landschaft der Pflegeschulen“ muss sich sowieso verändern. Es gibt keinen Grund zu befürchten, dass irgendjemand durch diese notwendigen Veränderungen Ausbildungsplätze abbauen will.
  • Im neuen Pflegeberufegesetz gibt es keine Obergrenze für Ausbildungsplätze.
  • Es gibt ja nicht nur die Pflegeausbildung, sondern auch noch immer mehr Pflegestudiengänge. Dadurch können noch mehr junge Menschen in der Pflege ausgebildet werden.

Hier geht’s zum Positionspapier von Diakonie und Caritas!

Hier geht’s zu unserem Special zur neuen Pflegeausbildung Pflegefachfrau/mann!

Azubine Maja

Veröffentlicht von

34 Jahre alt, Referentin Jugendkommunikation Online beim DW EKD

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    betr. GEGENARGUMENT 4: Durch die neue Pflegeausbildung werden die Bewerber- und Auszubildendenzahlen zurückgehen. STIMMT NICHT:

    Es gilt zu bedenken:
    Bei den Auszubildenden in der Altenpflege sind ein Drittel bis zur Hälfte nicht motorisiert – die zahlreichen Praktika in der neuen Ausbildung sind ohne Auto kaum zu realisieren!

    Zunehmend brauchen Auszubildende eine möglichst konstante Bezugsperson in der Praxis, die sie in ihrem (auch persönlichen) Entwicklungs- und Lernprozess kontinuierlich begleitet u. fördert – die wird es mit den zahlreichen externen Praktika so in Zukunft nicht mehr geben. Diese fehlende personale Begleitungskontinuität bzw. sehr hohe Eigenverantwortlichkeit könnte BewerberInnen abschrecken bzw. scheitern lassen.

  2. Azubine Maja

    Hallo Isa, danke für den Kommentar! Wie sieht die Community das? Sind Praktika in unterschiedlichen Einrichtungen ohne Auto ein Problem? LG, Maja

  3. Ich lebe in Emsdetten und mache meine Ausbildung in Münster, im Sommer fahre ich mit dem Fahrrad meine 30 km zu meinen Ausbildungsträger. In der Zeit wo ich nicht mit dem Fahrrad fahre, komme ich mit dem Zug und Bus zur Arbeit. Ich muß um 4:30Uhr aufstehen um pünktlich meinen Dienst anzutreten. Das ist nicht toll aber es klappt. Aktuell bin ich im Krankenhaus Einsatz und muss 8km weiter fahren aber auch das ist zu schaffen. An Sonntagen und Feiertagen kann ich keine Frühdienst machen weil die Zugverbindung einfach nicht vorhanden ist. Da mach ich dann einfach Spätdienst. Natürlich plane ich das immer mit meiner Wohnbereichsleitung und Praxis Anleitung ab. Bis jetzt war es immer machbar und anders würde es auch gar nicht gehen, wenn mein Betrieb das nicht mit machen würde wäre er es selbst in Schuld. Zum Glück weiß mein Betrieb was ihm seine Azubis wert sind. Caritas Münster hält.

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