Erzieher-Azubis aufgepasst: So klappt’s mit dem Berufsstart!

Was brauchst du, um nach der Erzieher-Ausbildung oder dem Bachelor-Studium „Pädagogik der frühen Kindheit“ gleich einen Arbeitsplatz zu finden? Eine gute Bewerbung, ganz klar! Und wer könnte besser erklären, wie die aussehen sollte, als Dr. Ilse Wehrmann? Sie ist ehemalige Vorsitzende des Bremer Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder und Gründerin von Wehrmann & Comites Consulting. Das ist eine Personalagentur, die pädagogische Fachkräfte vermittelt – auch im Auftrag von kirchlichen Kinderbetreuungseinrichtungen. Wir haben für euch mit der Expertin gesprochen.Frau Dr. Wehrmann, Ihre Agentur vermittelt auch Berufseinsteiger, die sich online bei Ihnen bewerben können. Was ist denn konkret bei einer Bewerbung als Erzieher/in wichtig?

Bei der schriftlichen Bewerbung kommt es mir auf das Drumherum an. Die Erzieher-Ausbildung ist das eine, aber ich will sehen, dass der Bewerber oder die Bewerberin darüber hinaus noch was anderes gemacht hat. Hat er sich zum Beispiel ehrenamtlich engagiert? Ist er aufgeschlossen gegenüber Fortbildungen und hat sich schon überlegt, in welche Richtung er sich weiterentwickeln möchte? Interessiert er sich für ein Thema aus dem Bereich Bildung und Erziehung ganz besonders? Auch als Berufseinsteiger kann man sich schon spezialisiert haben und zeigen, dass man auf der Höhe der Zeit ist. Ich suche junge Leute, die die fachliche Diskussion mitverfolgen und wissen: Was macht  moderne Erziehung aus?

Welche Bewerber haben besonders gute Chancen?

Wir suchen engagierte, aufgeschlossene junge Menschen mit einer eigenen Meinung. Viel versprechende Bewerber laden wir zu einem Assessment-Center (Auswahlverfahren) ein und fragen dann auch nach gesellschaftlich relevanten Themen. Was denkt der Kandidat zum Beispiel zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Wenn jemand dazu keine Meinung hat, ist er als Erzieher im falschen Beruf.

Zu Ihrem Auswahlverfahren gehört eine Hospitation. Und auch für jeden anderen Berufseinsteiger gibt es eine Probezeit. Wie kann ich bei diesen ersten Praxiseinsätzen bei meinem neuen Arbeitgeber überzeugen?

Hospitation bedeutet, dass die Bewerberin oder der Bewerber zwei, drei Stunden in einem Kindergarten aushilft, und die Kitaleitung oder das ganze Kita-Team beobachten, wie er oder sie auf die Kinder zugeht. Nur mal als Beispiel, worauf geachtet wird: Fasst der Kandidat das Kind unvermittelt von hinten an oder geht er von vorne auf das Kind zu? Nimmt er das Kind einfach auf den Arm oder fragt er das Kind vorher, ob er es auf den Arm nehmen darf? Nur wer Kinder als eigenständige Persönlichkeiten respektiert und das schon bei der Kontaktaufnahme zeigt, hat Chancen auf den Job.

Warum muss ich mich als Berufseinsteiger überhaupt anstrengen, eine richtig gute Bewerbung abzuliefern? Es heißt doch immer, es werden überall jede Menge Erzieher gebraucht! Nehmen die denn nicht jeden?

Ja, es werden überall Erzieher gebraucht, aber gleichzeitig sind die Erwartungen an die Kinderbetreuung gestiegen. Wir wissen heute, dass Kitas ein gutes pädagogisches Konzept brauchen. Das kann man aber nur mit guten Mitarbeitern umsetzen. In den ersten drei bis sechs Lebensjahren werden Kindern so viele Werte und Haltungen vermittelt. Wir brauchen Erzieher, die ihnen die Welt erklären! Und da haben wir als Agentur uns von der Wirtschaft etwas abgeguckt, das dort gut funktioniert: Die professionelle Personalvermittlung. Gerade die kirchlichen Einrichtungen sind richtig mutig geworden und probieren es aus! Und übrigens, auch die gut ausgebildeten Erzieher wollen nicht mehr in der nächstbesten Kita arbeiten, sondern suchen sich ihren Arbeitgeber gezielt aus!

Sind die Erzieher-Fachkräfte selbstbewusster geworden?

Ein bisschen. Sie könnten sogar noch selbstbewusster werden! Erzieher ist heute ein anspruchsvoller Beruf: man ist Entwicklungscoach für die Kinder und Berater für die ganze Familie. Tatsächlich werden Leiter für Kindertages-einrichtungen heute auch schon von Headhuntern gesucht – genau wie in der Wirtschaft. Ich möchte die Erzieher mit meiner Arbeit spüren lassen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird!

Liebe Frau Dr. Ilse Wehrmann, vielen Dank für das Gespräch! Und liebe Leser*innen: Die Tipps von Frau Dr. Wehrmann sind für eure Bewerbung wirklich Gold wert. Egal, wo ihr es mit dem Berufseinstieg probiert. Viel Glück!

Azubine Maja

Veröffentlicht von

34 Jahre alt, Referentin Jugendkommunikation Online beim DW EKD

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    ich möchte gerne eine Erzieherausbildung beginnen, weil mir der Umgang mit Kindern Spaß macht.Ich muss eine Bewerbung schreiben warum ich dafür geeignet bin.Nur weiß ich nicht wie ich das schriftlich rüber bringen soll.
    Haben Sie da ein Tip für mich?

    Über eine Sntwort von Ihnen würde ich mich freuen!
    Mit freundlichen Grüßen
    Lili Gomez Rodrigues

    • Azubine Maja

      Hallo Lili, toll dass du dich für die Erzieherausbildung interessierst!
      Hier alle Infos über die Erzieherausbildung:
      http://www.soziale-berufe.com/inhalt/erzieher.html
      Und hier ein paar Bewerbungstipps:
      http://www.soziale-berufe.com/inhalt/bewerbungstipps.html
      Zu deiner konkreten Frage: Unsere Personaler sagen: Am besten kommt es in der Bewerbung an, wenn du von persönlichen Erfahrungen erzählst. Hast du jüngere Geschwister? Hast du schonmal als Babysitter gearbeitet, Nachhilfe gegeben, eine Jugendgruppe geleitet oder ähnliches? Arbeiten deine Eltern in einem sozialen Beruf, sodass du dich damit schon auskennst? All das solltest du unbedingt in der Bewerbung erwähnen, denn das macht dich besonders geeignet als Erzieherin! Was gefällt dir besonders daran, mit Kindern oder Jugendlichen zusammen zu sein?
      Gut kommt es natürlich auch an, wenn du schon ein Praktikum im Kindergarten oder in einer Jugendhilfe-Einrichtung gemacht hast – selbst 1 Schnuppertag reicht, um zu zeigen: Ich interessiere mich wirklich für diesen Beruf.
      Auch könntest du deine Talente und Fähigkeiten nennen: dass du besonders geduldig bist, dass du gerne bastelst, vorliest oder ein Instrument spielst – solche Talente kannst du als Erzieherin gut gebrauchen.
      So, ich hoffe, ich konnte dir mit diesen Tipps ein bisschen helfen!
      LG, Azubine Maja

  2. Sehr interessantes Interview. Aber neben den ausführlich genannten Social-Skills sollten auch die korrekten Bewerbungsunterlagen eine Rolle spielen. Denn nicht jeder bewirbt sich über einen Personalvermittler, sondern direkt beim Arbeitgeber. Damit dies klappt empfehle ich, dass sich der Bewerber von den unzähligen kostenlose Vorlagen inspirieren lässt, die es im Internet gibt. Diesen und anderen Vorlagen für z.B. das Bewerbungsschreiben muss man nur noch eine individuelle, lückenlose und fehlerfreie Note verpassen und fertig.

  3. Hallo ich bin Sarah
    Ich interessiere mich für den Beruf als Erzieherin nun habe ich aber von meinen Lehrern gehört das dieses äußerst schlecht bezahlt sein soll, könnten sie mir das erklären? Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen

    Mfg Sarah

    • Azubine Maja

      Hallo Sarah, wir freuen uns, dass du dich für den Beruf des Erziehers interessierst! Reich wirst du als Erzieherin nicht, aber das wäre auch die falsche Motivation, um diesen Beruf zu ergreifen. Unsere Mitarbeiter machen diesen Beruf, weil sie soziale Verantwortung tragen und Sinn in ihr Leben bringen wollen. Weil sie die Dankbarkeit der Kinder oder Patienten schätzen. Insgesamt gesehen ist die Bezahlung nicht so schlecht wie immer behauptet wird, und gerade die Diakonie zahlt überdurchschnittliche Gehälter. Mehr Infos hier: http://www.soziale-berufe.com/bei-uns-verdienst-du-gut. LG, Maja

  4. Hallo ich bin Rawan
    Ich interessiere mich für den Beruf als Erzieherin . Ich möchte gerne eine duale Ausbildung machen.
    Wie kann ich Kindergärten finden, die Auszubildenden aufnehmen können?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

  5. Hallo

    Ich würde gerne eine Ausbildung on einer Evangelischen kita machen bin aber nicjt emvangelisch kann icj das trotzdem machen

    Mit freundlichen Grüßen

    N.Wilke

    • Verena

      Hallo Nils! Toll, dass du deine Ausbildung in einer evangelischen Kita machen willst! Bei vielen diakonischen oder evangelischen Einrichtungen ist tatsächlich die Zugehörigkeit zur Kirche eine Zugangsvoraussetzung. Allerdings keineswegs bei allen. Wenn in der Ausschreibung nicht explizit der Hinweis „Zugehörigkeit zur Kirche (ACK)“ drin steht, stehen deine Chancen gut, dass du dich dort auch konfessionslos bewerben kannst. Die beste Variante ist auf jeden Fall, bei den Kitas, die für dich in Frage kommen, einfach mal aktiv nachzufragen. Wir wünschen dir ganz viel Erfolg!

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