Omid engagiert sich sozial: „Ich war der erste – und jetzt wollen es alle machen!“

OmidOmid (16) hilft seit einem dreiviertel Jahr freiwillig donnerstags nach der Schule in einem Stadtteilcafé in Oldenburg. Angefangen hat alles mit dem „Szenenwechsel“, einem fünftägigen sozialen Schnupperpraktikum der Diakonie Oldenburg. Das hat Omid so gut gefallen, dass er einfach dabeigeblieben ist. Wir haben für euch mit ihm gesprochen. Und übrigens: Die nächste Gelegenheit für Jungs, in die Sozial- und Pflegeberufe reinzuschnuppern, ist der Boys‘ Day!

Omid, wie bist du darauf gekommen, beim „Szenenwechsel“ mitzumachen?

Unsere Lehrer haben Flyer verteilt und ein bisschen was darüber erzählt, und dann hab ich mich einfach angemeldet, weil es interessant klang. Ich konnte mir unter keinem der angegebenen Einsatzbereiche was vorstellen und hab einfach alle angekreuzt. Und so bin ich dann in dem Stadtteilcafé gelandet.

Was ist denn überhaupt ein Stadtteilcafé?

Das ist ein Raum mit einer Theke, an der man Getränke und Kuchen kaufen kann, und Cafétischen. Manche Leute kommen hin, weil sie einsam sind und einfach nur Freunde finden wollen, das sind die Stammkunden. Aber man kann auch hinkommen, um sich beraten zu lassen. Es kommen Menschen mit allen möglichen sozialen Problemen, auch Jugendliche oder junge Mädchen, die schon ein Kind haben. Es kommen auch ausländische Mütter, die können dort im Stadtteilcafé Deutsch lernen, und währenddessen werden ihre Kinder betreut.

Und was ist da genau deine Aufgabe?

Meine Aufgabe ist es, Getränke und Kuchen zu verkaufen. Aber da stehen die Leute jetzt nicht dauernd Schlange. 90 Prozent der Zeit setze ich mich zu den Besuchern an den Tisch und unterhalte mich mit ihnen. Da ist zum Beispiel ein Stammkunde, der Heinz. Der ist ungefähr 65 und kommt aus Berlin. Oft setze ich mich zu ihm und höre ihm zu. Er erzählt viele spannende Sachen von früher, als es noch die D-Mark gab und Radiofunkgeräte. Heinz hat eine starke Bindung zu mir aufgebaut. Er sammelt seit Jahrzehnten Uhren und hat mir einmal eine geschenkt. Einmal hat er ein relativ neues Radio mitgebracht, womit er sich nicht auskannte, ich hab ihm dann den Wecker eingestellt. Eigentlich kann man schon sagen, dass die Mitarbeiter und Stammkunden dort wie eine große Familie sind, besonders weil die Mitarbeiter dort extrem sympathisch sind.

Bekommst du denn Geld für deine Hilfe?

Geld verdiene ich nicht direkt, aber darauf kommt es mir auch nicht an. Ich finde einfach, es ist ein guter Zeitvertreib, es macht Spaß, und ich bekomme auch Zertifikate, die später gut für meine Bewerbung sind. Ich bekomme als Dankeschön pro Stunde Arbeit einen Stempel, der 2,50 Euro wert ist. Wenn mein Stempelheft voll ist, kann ich es einlösen gegen einen Gutschein meiner Wahl, zum Beispiel von H&M. Ich habe jetzt schon zweimal 150 Euro gesammelt!

Aus welchem Land kommen deine Eltern? Hilft dir dein Multi-Kulti-Hintergrund bei der Arbeit im Café oder kam es dadurch zu besonderen Erlebnissen?

Meine Eltern kommen beide aus dem Iran, ich bin in Oldenburg geboren, aber ich hab einen kanadischen Pass und demnach auch die kanadische Staatsangehörigkeit, weil meine Mutter dort studiert hat. Die Cafébesucher sind meist sehr offen zu mir und haben direkt großes Vertrauen, bei den ausländischen kann es gut an meiner Herkunft liegen. Eine Weile lang hatte ich eine 35jährige Iranerin als Arbeitskollegin im Café. Und da ich fließend persisch reden kann, konnte ich mich auch super mit ihr verständigen. Ihre Kinder, ein 6 jähriges Mädchen und ein 8jähriger Junge, mochten mich auch auf Anhieb, gerade weil ich sie gut verstehen konnte.

Du machst ja bald Abitur. Kannst du dir vorstellen, danach in einen sozialen Beruf zu gehen?

Ich war neulich bei einer Berufsorientierungsveranstaltung über soziale Berufe. Dort wurde erzählt, dass man die auch studieren kann. Aber ich glaube, ich will eher etwas in Richtung Musik oder IT machen.  Aber auf jeden Fall habe ich Lust, mich weiterhin sozial zu engagieren. Dieses Jahr werde ich beim „Szenenwechsel“ anderen Schülern von meinen Erfahrungen erzählen. Unter meinen Freunden war ich letztes Jahr der einzige, der mitgemacht hat, die anderen wollten in den Osterferien lieber ausschlafen als ein Praktikum zu machen. Aber dieses Jahr wollen sie alle mitmachen, weil sie gesehen haben, wie viel Spaß es mir macht. Mein Tipp ist: Probiert es aus! Ihr wisst ja gar nicht, wie abwechslungsreich soziale Berufe sind!

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