Professionell und einfühlsam: So sollten Chefs und Chefinnen im sozialen Bereich sein

Karriere machen im Sozialen, geht das? Klar, das geht! Zum Beispiel mit einer Pflegeausbildung plus Managementstudium. Raphael Hoffmann (37) ist einen anderen Weg gegangen: vom BWLer zum kaufmännischen Leiter des Diakonischen Werks Heilbronn. Heute hat er die finanzielle Verantwortung für 150 Mitarbeiter. Nebenbei macht er gerade den Master „Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich“ an der Uni Heidelberg. Seine  Kommilitonen kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen: Sie sind Sozialarbeiter, Pädagogen oder Pfarrer.

Hoffmann HD alte Brücke klein

Präsenzphasen in Heidelberg an einer der ältesten Universitäten der Welt gehören zu den Highlights des Studiengangs, den Raphael Hoffmann belegt hat.

Herr Hoffmann, Sie haben mit einer Lehre als Bankkaufmann angefangen und jetzt sind Sie einer der „Chefs“ der Diakonie Heilbronn. Wie kamen Sie in den sozialen Bereich?

Nach meiner Lehre zum Bankkaufmann habe ich erst sieben Jahre bei der Deutschen Bank gearbeitet und nebenher BWL studiert. Ich habe mich aber schon von klein auf in der evangelischen Kirche engagiert. Deshalb habe ich mich als kaufmännischer Leiter bei der Diakonie Heilbronn beworben, um beides zu verbinden: mein soziales Interesse und meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse.

BWL ist ja nun eigentlich kein „sozialer Beruf“…

Stimmt. Aber Unternehmen werden mit Zahlen gesteuert, auch soziale Einrichtungen. Wenn man eine Leitungsposition hat, kommt man um die Zahlen nicht herum. Gerade im sozialen Bereich arbeiten noch zu wenige Leute mit kaufmännischer Ausbildung, die dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützt werden.

Was war der Grund dafür, dass Sie zu einem Unternehmen im sozialen Bereich gewechselt sind?

Wie gesagt, in erster Linie um als Betriebswirt sozial aktiv zu sein. Aber auch die Nähe zu meinem Wohnort und meiner Familie hat eine Rolle gespielt. Im Gegensatz zu einem Großkonzern kann man bei einer mittelgroßen Einrichtung wie der Diakonie Heilbronn vieles selbst gestalten und verbessern.

Was sind die Unterschiede in der Unternehmensführung in einem Wirtschaftsunternehmen und im Sozialen?

Im Non-Profit-Bereich funktionieren bestimmte Prozesse anders als in der Wirtschaft. Der Gewinn ist beispielsweise nicht die oberste Zielgröße. Klar geht es oft ums Geld, aber immer nur als Mittel zum Zweck, nämlich anderen Menschen ein gelingendes Leben zu ermöglichen. Ich erlebe meine Arbeit als sehr sinnvoll. Das motiviert mich. Die soziale Einstellung in Non Profit Organisationen ersetzt aber nicht eine professionelle Unternehmens- und Mitarbeiterführung. Optimal ist es, wenn Führungskräfte sich professionell verhalten und gleichzeitig authentisch und einfühlsam sind. Das ist ein großer Erfolgsfaktor im sozialen Bereich.

Jetzt studieren Sie berufsbegleitend „Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich“. Was bringt Ihnen das Studium für Ihre Arbeit?

Nach zehn Jahren in der Praxis wollte ich nochmal eine fundierte theoretische Weiterbildung im diakoniewissenschaftlichen Bereich machen. Es tut gut, die Perspektive zu wechseln und die eigene Arbeit und das eigene Verhalten von außen zu reflektieren. Der Austausch mit Kommilitonen und Dozenten, die teilweise ganz andere Ausbildungen gemacht haben – etwa Theologie oder Soziale Arbeit – ist sehr bereichernd. Wir führen viele kontroverse Diskussionen, zum Beispiel, ob es sinnvoll ist, Boni, also leistungsabhängige Vergütung im sozialen Bereich zu vergeben. Für mich als BWLer sind die theologischen Teile besonders wichtig. Auch wenn ich mit diesem Studium noch lange kein Theologe bin, habe ich am Diakoniewissenschaftliches Institut der Uni Heidelberg (DWI) viel über die biblischen und kirchlichen Wurzeln und Ziele der Diakonie gelernt. Im Gespräch mit den Theologen in Leitung und Aufsichtsgremien schafft das Verständnis und vor allem eine gemeinsame Sprache. Allen, die eine Leitungspostition in einer diakonischen Einrichtung anstreben, kann ich das Studium am DWI nur wärmstens empfehlen.

Wie ist der Masterstudiengang „Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich“ organisiert?

Der Studiengang ist berufsbegleitend. Einmal im Monat haben wir von Donnerstag bis Samstag einen Präsenzblock mit zehn Stunden Vorlesung pro Tag. Das ist immer eine sehr konzentrierte Zeit, die viel Vorarbeit und Nacharbeit verlangt. Außerdem schreiben wir regelmäßig Hausarbeiten und Klausuren. Im fünften Semester steht dann die Masterarbeit an. Am Ende schließt man das Masterstudium mit 120 Credits ab und hat damit auch das volle Promotionsrecht, kann also im Anschluss noch einen Doktor machen. Das ist vielleicht auch gerade für Leute interessant, die  vorher an einer Fachhochschule oder Dualen Hochschule studiert haben und denen dieser Weg bisher nicht offen stand.

Für wen eignet sich der Studiengang und was sind die Voraussetzungen?

Zulassungsvoraussetzung ist ein abgeschlossenes Studium entweder BWL, Sozialwissenschaften oder Theologie. Man sollte schon ein paar Jahre im Sozial- oder Gesundheitswesen gearbeitet haben. Der Weiterbildungsstudiengang  richtet sich an alle, die in einer Non-Profit Organisation Führungsverantwortung übernehmen wollen. Und ganz besonders für eine Leitung von konfessionellen Einrichtungen wie Diakonie und Caritas.

Vielen Dank, Raphael Hoffmann! Und hier nochmal der Link zum Masterstudiengang „Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich“!

Interview: Diakonie/Stephanie Häfele

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