Erzieher oder Heilerziehungspfleger? Fertige SozAssis haben die Qual der Wahl (6.1.14)

Wer die Grundausbildung zum Sozialassistenten (heißt in manchen Bundesländern auch anders) beendet hat, hat die Qual der Wahl: Lieber die Arbeit mit Kindern oder mit Menschen mit Behinderung? Zur Auswahl stehen danach nämlich die Ausbildungen zum Erzieher und Heilerziehungspfleger, die meisten entscheiden sich für den Erzieher. Aber warum eigentlich? Was sollte man beachten, um eine wirklich informierte Wahl zu treffen?

„Für die meisten jüngeren Schüler ist die Arbeit im sozialen Bereich mit der Arbeit mit Kindern verbunden“, meint Steffi Kießhauer, Lehrerin an der Korczak-Schule in Fürstenwalde, „Viele haben schon mal ein Praktikum im Kindergarten gemacht, auf kleinere Geschwister aufgepasst oder gebabysittet.“ Die Arbeit eines Heilerziehungspflegers sei weniger bekannt, weshalb viele Schüler diese Ausbildung gar nicht erst in Betracht ziehen. Und es gibt noch einen anderen Grund: „Viele haben Vorurteile“, sagt Madeleine Meyer, Lehrerin an der Fachschule für Sozialwesen in Hermannswerder. „Die meisten Schüler bringen die ganz seltsame Idee mit, dass sie sich im Behindertenbereich nur um sabbernde Menschen kümmern müssten.“ Diese Vorstellung ändere sich aber ganz schnell nach dem ersten Praktikum in der SozAssi-Ausbildung. Und das ist gut so, denn es gibt ein schlagendes Argument für die Heilerziehungspflege: „Schon jetzt finden unsere Heilerziehungspflegeschüler nach der Ausbildung zu hundert Prozent eine Anstellung. Und die Nachfrage steigt weiter“, weiß Frau Meyer.

Michael wird Heilerziehungspfleger

Verkleidete HEPs

Verkleidete HEP-Azubis der Korczak-Schule in Fürstenwalde

Michael war Tischler, bevor er sich überlegt hat, Heilerziehungspfleger zu werden. Ein Freund brachte ihn auf die Idee. Vor seinem Berufswechsel hat er den Beruf aber erst mal getestet – beim Praktikum in einer Behindertenwerkstatt. Die Kombination Handwerk und sozialer Beruf hat ihm sofort gefallen. „Ich mag den Umgang mit Menschen. Und ich mag es zu sehen, wie Menschen Spaß an einer Sache entwickeln. Das reicht mir schon als Bestätigung.“ Dabei ist sein Berufswunsch von seiner Familie und seinen Freunden erst mal zögerlich aufgenommen worden. Das könnte aber auch mit Unwissenheit zu tun haben, denn „viele kennen diesen Begriff gar nicht.“, erklärt Michael, der mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr lernt. „Ich muss sehr oft erklären, was ein Heilerziehungspfleger ist.“

HEPs arbeiten übrigens nicht nur in der Behindertenwerkstatt, sondern auch in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung, in Reha-Einrichtungen, im psychiatrischen Bereich oder als Einzelbetreuer für Schüler mit Behinderung in Schulen oder Studenten mit Behinderung in der Uni. „Toleranz, Menschenkenntnis und Respekt gegenüber Menschen sind wichtig“, findet Michael, „Man darf absolut keine Vorurteile haben.“ Wer alle Menschen über einen Kamm schere, sollte den Heilerziehungspflegeberuf lieber sein lassen. Auch wer sehr radikale politische Ansichten mitbringe, sei als HEP ungeeignet. Stattdessen sollten angehende Heilerziehungspfleger klare eigene Wertevorstellungen haben.

Und was ist nun der Hauptunterschied zwischen der Arbeit als Erzieher und als Heilerziehungspfleger?

Einen wichtigen Unterschied sieht Madeleine Meyer von der Fachschule in Hermannswerder darin, dass der Erzieher den Blick des Kindes und des Jugendlichen erlernen muss und nicht verlernen darf. Für den HEP dagegen sei wichtig, den Menschen mit Behinderung als vollwertigen Menschen zu sehen, der lediglich besondere Bedürfnisse hat. „Der Erzieher muss auf die gesamte Gruppe achten“, erklärt Meyer weiter, „Der Heilerziehungspfleger dagegen achtet eher auf den einzelnen Menschen: Wie kann ich diesen Menschen fördern?“ Natürlich kann auch der Heilerziehungspfleger eine Gruppe zum Beispiel im Wohnheim leiten und der Erzieher denkt sich Förderkonzepte für einzelne Kinder aus, am Ende verschwimmen die Grenzen also wieder. Gemeinsam haben die beiden Berufe jedenfalls, dass Weiterbildung wichtig ist. Und letztendlich gibt es in beiden Berufen Situationen, in denen man lernen muss, mit Ekelgefühlen umzugehen – die Hygiene bei Menschen mit Behinderung ist das eine, aber auch Kinder übergeben sich oder haben die Windeln voll. „In der Ausbildung ist das ein wichtiges Thema, niemand wird damit alleine gelassen“, sagt Steffi Kießhauer von der Korczak-Schule in Fürstenwalde. Madeleine Meyer, die schon viele HEPs ausgebildet hat, macht folgende Erfahrung: „Ehemalige sagen mir oft: Das sieht man nachher nicht mehr.“

Wie soll ich mich entscheiden?

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Erzieher-Azubis der Korczak-Schule in Fürstenwalde

Madeleine Meyer sagt, es gebe kein Patentrezept für die Berufsentscheidung. Ob jemand eher für den Erzieherberuf geeignet ist oder für den Heilerziehungspfleger, lasse sich durch Praktika oder Einzelgespräche mit Lehrern und Mitschülern der Berufsschulklassen am besten herausfinden. Ihr könnt auch unsere Berufeportaits zu beiden Berufen lesen, unsere Berufefilme zu beiden Berufen ansehen und unsere Tests „Passt dieser Beruf zu mir?“ machen. Michael empfiehlt, vorher auf jeden Fall Praktika in beiden Bereichen zu machen. „Für meinen Beruf muss man vielleicht ein bisschen idealistischer sein als für den Erzieherberuf“, meint Michael, „Als Erzieher sieht man die Lerner­folge bei den Kindern sehr schnell. Als Heilerziehungspfleger arbeite ich mit Menschen mit Handicap manchmal auf ein Ziel hin, das nie erreicht wird – zum Beispiel dass ein Mensch mit Handicap alleine essen kann. Trotzdem muss ich es versuchen.“

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