Fragen aus unserer Berufsberatung: Physiotherapie, Ergotherapie oder Heilerziehungspflege – was passt zu mir? Kombination aus Kunst und sozialen Berufen möglich? Welche Voraussetzung brauche ich für ein Heilpädagogik-Studium?

Leicht ist das nicht, sich für einen Beruf zu entscheiden! Selbst wenn man zumindest schon mal weiß, es soll was im Sozial- und Pflegebereich sein… Aber ihr habt ja uns – wir beraten euch gerne. Hier ein paar FAQs aus der letzten Zeit, vielleicht beantwortet das ja auch eure Fragen. Sonst meldet euch gerne per Facebook oder an sozialeberufe@diakonie.de!

FAQ ButtonIch habe einen Ausbildungsplatz zur Physiotherapeutin, bin mir mit meiner Entscheidung aber unsicher. Vor allem die Kosten schrecken mich ab. Ich möchte auf eigenen Beinen stehen, mein eigenes Geld verdienen. Außerdem interessiere ich mich sehr für die Arbeit mit Behinderten, da ich bereits seit einigen Jahren beim therapeutischen Reiten arbeite. Das macht mir riesig Spaß! Da ich mich mit der Berufswahl sehr schwer tue, würde ich mich über Tipps freuen.

Wenn du zwischen Physiotherapeut und der Arbeit mit Menschen mit Behinderung (Heilerziehungspflege) schwankst, mach doch mal unsere Berufetests. Damit findest du heraus, welcher Beruf besser zu dir passt. Hättest du noch Zeit für ein Praktikum oder zumindest eine Hospitation (einen Tag als Beobachter) in beiden Berufen? Plätze bieten fast alle diakonischen Einrichtungen, du findest sie hier und hier. Bevor du dich kopfüber in eine Ausbildung stürzt, bei der du dir gar nicht sicher bist, könntest du auch die Einrichtung fragen, ob es möglich wäre, den Ausbildungsbeginn um ein Jahr zu verschieben. Und dann machst du in der Zwischenzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Behindertenhilfe, um herauszufinden, ob das was für dich ist. Das sieht auf jeden Fall auch im Lebenslauf gut aus. Da du dich ums Geld sorgst, kann ich dir unseren Text „Wie finanziere ich meine Ausbildung?“ empfehlen. Denn sowohl der Physiotherapeut als auch der Heilerziehungspfleger sind schulische Ausbildungen, bei denen man üblicherweise erst zwei Jahre in die Schule geht und Schulgeld zahlt, bevor man dann im dritten Jahr in die Praxis geht und Geld bekommt. Es gibt aber auch Ausnahmen! Z.B. diese Heilerziehungspflegeschule hat die Ausbildung ähnlich wie die Krankenpfleger aufgebaut, man macht immer abwechselnd Schule und Praxis und bekommt von Anfang an Geld. Wenn du eine Sozial- oder Pflegeausbildung suchst, wo man sofort Ausbildungsentgelt bekommt, wären das z.B. Altenpflege, Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Hebamme.

FAQ ButtonIch habe Grafik Design studiert und arbeite momentan auch in diesem Bereich. Schon während meines Studiums habe ich hauptsächlich Themen aus dem sozialen Bereich gestalterisch erforscht. Da mich der gestalterische Beruf nicht ausfüllt, überlege ich, welche Möglichkeiten es für mich gibt, um den sozialen Berufszweig mit der Kunst zu kombinieren. Vielleicht habt ihr Tipps? Im Bereich Kunsttherapie habe ich mich schon informiert, suche aber nach weiteren Möglichkeiten.

Kreativität ist in vielen sozialen Berufen gefragt: Als Altenpflegerin kannst du alten Menschen Kunstkurse geben, als Erzieherin kannst du Kunst und Werkstättenprojekte mit den Kindern machen, als Ergotherapeutin kannst du mit Menschen mit Behinderung künstlerische Freizeitgestaltung oder künstlerische Arbeit in Behindertenwerkstätten machen. Allerdings ist die Kunst hier immer nur ein Aspekt der ganz normalen Arbeit in der Pflege und Betreuung, die im Vordergrund steht. Du müsstest eine ganz normale Sozial- oder Pflegeausbildung machen und dann eigenständig versuchen, die Kunst zu deinem Spezialgebiet zu machen. Ich kenne persönlich auch eine studierte Kunstwissenschaftlerin, die sich mit einer Kunstschule selbstständig gemacht hat und auch Kurse in Altenheimen gibt, z.B. Zeichnen für Demenzkranke. Ob man von so einer Selbstständigkeit leben kann, ist allerdings immer so eine Sache. Nicht zuletzt gibt es für Quereinsteiger noch den Beruf des Arbeitserziehers. Die Ausbildung dauert nur zwei Jahre und richtet sich ganz speziell an Quereinsteiger. 

FAQ ButtonIch habe mir das Video zum Thema Heilpädagogik mit Prof. Dr. Thiemann angesehen. Herr Prof. Dr. Thiemann sagt, dass es mit 3monatigem Praktikum und Abitur auch ohne vorherige Ausbildung möglich sei, ein Heilpädagogik-Studium aufzunehmen. Ich bin nun etwas verwundert, denn auf den Internetseiten der Fachhochschulen (z. B. Coburg) heißt es bei Voraussetzungen: „Berufsqualifizierender Abschluss an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Fachakademie für Heilpädagogik oder gleichwertige Ausbildung„. Nun bin ich ziemlich verwirrt.

Die Zugangsvoraussetzungen für die Sozial- und Pflegestudiengänge können an unterschiedlichen Hochschulen sehr unterschiedlich sein. Prof. Thiemann ist von der Ev. Fachhochschule in Bochum. An dieser Fachhochschule und möglicherweise auch an einigen anderen Hochschulen gilt, dass man mit Abitur und Praktikum direkt einsteigen kann, manche Hochschulen halten es so, dass man vorher die Heilerziehungspflege– oder Erzieher-Ausbildung gemacht haben muss, andere verlangen nur „irgendeine“ soziale Ausbildung vorher. Es gilt immer das, was auf der Website der Hochschulen steht.

FAQ ButtonIch bin gelernte Industriekauffrau und arbeite seit 2,5 Jahren im Verkaufsinnendienst. Es füllt mich nur irgendwie nicht richtig aus. Mir macht es Spaß, Kontakt zu Kunden zu haben, das ist aber nur telefonisch der Fall. Ich bin ein geselliger Mensch, spiele im Verein Fußball, treffe mich gerne mit Freunden, habe zu Schulzeiten nebenbei in einem Altenheim gearbeitet, bediene in einem Café. Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen? Mir sagt der Beruf Ergotherapeutin sehr zu, aber auch Heilerziehungspflegerin.

Zuerst muss ich dir sagen, dass es einen „schnellen Weg“ nicht gibt. Viele wünschen sich eine schnelle Umschulung, aber das führt dann höchstens zu Hilfstätigkeiten, mit denen man auf die Dauer auch nicht glücklich wird. Also müsstest du nochmal ganz von vorne anfangen und eine ganz normale Sozial- oder Pflegeausbildung machen. So eine zweite Berufswahl sollte sehr gut überlegt sein, damit es nicht wieder der falsche Beruf wird. Ich kann dir nur raten, dir auf www.soziale-berufe.com die Filme zu den Berufen anzuschauen, die dich interessieren, die einzelnen Berufetests zu den Berufen zu machen, die Textportraits zu lesen, um so zu einer Entscheidung zu kommen. Du scheinst dich ja in Richtung der Arbeit mit Menschen mit Behinderung zu interessieren (Heilerziehungspflege, Ergotherapie). Hast du denn schon Erfahrungen damit gesammelt? Wenn nicht, solltest du auf jeden Fall zuerst ein längeres Praktikum machen, oder in deinem Alter wäre auch noch ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Behindertenhilfe möglich. Dabei siehst du, ob dir diese Tätigkeiten wirklich liegen. Deine Vorerfahrungen im Altenheim, im Verein und im Café werden dir bei einer Bewerbung in unserem Bereich auf jeden Fall nützlich sein!

Azubine Maja

Veröffentlicht von

34 Jahre alt, Referentin Jugendkommunikation Online beim DW EKD

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