Pflegefachfrau/Pflegefachmann: Maria Loheide über die Generalistische Pflegeausbildung

DEU, Deutschland, Berlin, 23.04.2015, Leitung Diakonie Deutschland, Maria Loheide (Sozialpolitik). |April, 16, 2015 - Berlin, Germany:

Maria Loheide, Sozialpolitischer Vorstand der Diakonie Deutschland

Einmal Altenpflege, immer Altenpflege? Diese Sorge vieler Berufsanfänger ist bald von gestern. Denn das Bundeskabinett hat Mitte Januar den Gesetzentwurf zu einer generalistischen Pflegeausbildung verabschiedet.

Die bisherigen getrennten Ausbildungsgänge in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege sollen der Vergangenheit angehören. Mit ihnen schwindet auch der Zwang, sich früh und ausschließlich für eines dieser Arbeitsfelder zu entscheiden. Wenn Bundestag und Bundesrat dem Entwurf zustimmen, kann ab 2018 die neue Berufsausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann starten – als eine dreijährige fachschulische oder auch hochschulische Berufsausbildung. Dabei entsteht ein neuer Pflegeberuf, der nicht einfach eine Addition der bisherigen drei Berufe ist.

Damit beschreitet die Bundesregierung einen richtigen Weg: Denn dank dieser breiten Grundausbildung, die die Basis eines modernen, gestuften und durchlässigen Pflegebildungssystems im Sinne des lebensbegleitenden Lernens sein soll, werden zukünftige Pflegefachkräfte den sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen an die Pflege besser begegnen können. Außerdem sichert das neue Pflegeberufsgesetz die Anerkennung des Berufsabschlusses in allen EU-Mitgliedsstaaten. Für Altenpflegerinnen und Altenpfleger war das bislang nicht gegeben.

Generalistische Pflegeausbildung

Einen Film über die Generalistische Pflegeausbildung (Pflegefachfrau/ Pflegefachmann) seht ihr hier: www.soziale-berufe.com/generalistische-pflegeausbildung.

Die generalistische Ausbildung wird für junge Leute sehr viel attraktiver: Sie öffnet einen weiten Horizont in der Pflege und bietet ein Berufsleben lang vielfältige Entwicklungsperspektiven. So kann diese Reform dazu beitragen, dem Fachkräftemangel in der Pflege wirksam zu begegnen. Und das ist zwingend: Wenn sich nichts ändert, so warnt das Statistische Bundesamt, fehlen uns in 10 Jahren 135.000 bis 214.000 Pflegekräfte. Die Reform der Pflegeausbildung ist ein wichtiger Beitrag, um das zu verhindern.

Die Diakonie arbeitet seit Jahren daran, auf die große Bedeutung der pflegerischen Arbeit aufmerksam zu machen. „Soziale Berufe kann nicht jeder“ ist der Titel einer Kampagne, mit der die Diakonie für ein Arbeitsleben auch in der Pflege wirbt. Wir brauchen mehr Menschen mit Motivation, Wissen und Begeisterungsfähigkeit, die diese wichtige Aufgabe übernehmen. Die anstehenden Beratungen in Bundestag und Bundesrat wird die Diakonie fachlich mit großer Sorgfalt begleiten. Wir wollen, dass diese wichtige Reform ein Erfolg wird. Dies liegt sowohl im Interesse, der Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, als auch derjenigen, die einen Pflegeberuf ergreifen wollen. Flashquote Generalistik

Azubine Maja

Veröffentlicht von

34 Jahre alt, Referentin Jugendkommunikation Online beim DW EKD

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Sorgen, von denen hier die Rede ist, sind nicht die von Auszubildenden!

    Die meisten entscheiden sich ganz bewußt für den einen oder anderen Beruf. Sollte man mal den Wunsch für einen Wechsel versprüren, so kann man entweder ohne weiteres die Institution wechseln (Krankenpflege im Heim geht immer, Altenpflege im KH auf die einschlägigen Stationen) oder ein Jahr anhängen und die andere Berufsbezeichnung offiziell erwerben.

    Die Attraktivität des Berufs krankt an ganz anderen Stellen: man wird in der Ausbildung verheizt (wie nachher dann auch), hat kaum Zeit für fachlich korrektes Arbeiten (also auch kein Anleiten), kann oft das Nötigste nur durch persönliche Ausbeutung erbringen. Meist ist sowenig Personal eingeplant, dass man sich kaum auf den Dienstplan verlassen kann. Also Familie und Freunde sind da schwer mit vereinbar.

    In drei Jahren drei Berufe gleichzeitig, das kann ja nur auf Kosten der Qualität gehen! (oben im Text heißt das ganze ja auch nur noch „Grundausbildung“). Also würden damit Handlungskompetenz, Attraktivität, vermutlich auch Bezahlung, letztlich die Ausbildungszahlen, sowie Ausbildungsbereitschaft der Träger sinken (denn Einsätze im Haus und damit Bindung gingen stark zurück).

    Wer behauptet, dass die Berufe bisher nicht genug Horizonte besitzen, hat keine Ahnung wovon die Rede ist.
    Für die sozialen Berufe kann man dem Gesetz nur wünschen, dass es nicht in Kraft tritt.

    Man fragt sich doch wirklich wozu dieses Gesetz? Die Dreigliedrigkeit ist doch eine Errungenschaft (Spezialisierung führt zu Qualität, nicht Generalisierung (wobei alles seine Grenzen hat))!
    Immer wieder ist die Rede von den verschwimmenden Grenzen zwischen AP und KP. Selbst im Gesetz ist die Rede von „frühzeitigen“ (blutigen) Entlassungen aus dem KH aufgrund der Anreize der DRG (Fallpauschalen), dass also die KH-Behandlung zuhause oder im Heim weiter geführt werden müsse. Und die immer älteren Patienten im KH würden im Gegenzug AP-Kompetenzen im KH erfordern.
    Dazu nur soviel:
    Dann gehören die unsäglichen DRGs abgeschafft! Ein ambulanter Dienst des jeweiligen KHes, der die Leute zuhause versorgt, würde das Problem derweilst auch beheben.
    Und wenn im KH Probleme mit Dementen auftreten, dann muss dafür gesorgt werden, dass in den Heimen anständig gepflegt werden kann, dann kommt es auch zu weniger KH-Einweisungen; und für die unvermeidlichen Fälle, lassen sich Altenpflegerinnen im KH einstellen! Wozu also bitte, diese Reform???

  2. Das klingt ja sehr spannend, aber was ist den mit den fertigen Altenpflegern? Und werden die Löhne zwischen Altenpflegern und Gesundheits- und Krankenpflegern angeglichen? Denn wenn nicht, wer geht dann bitte freiwillig in die Altenpflege, wenn er doch im Krankenhaus arbeiten und dort mehr Geld verdienen kann? Besteht dann nicht das Risiko, dass noch mehr Pflegekräfte in der Altenpflege bestehen als ohne hin schon besteht? Und inwiefern macht eine dreijährige Ausbildung jemanden zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau, wenn nach bisher geltenden Gesetz ( §71, SGB XI) eine Pflegefachkraft eine Person ist die eine abgeschlossene Berufsausbildung als Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger oder -Kinderkrankenpfleger hat und zwei Jahre Berufserfahrung? Ach ja und die wichtigste Frage überhaupt, woher sollen denn die ganzen Auszubildenen kommen? Zugangsvoraussetzung soll ja der Realschulabschluss sein, so weit ich weiß… So zum einen haben wir nach wie vor einen Geburtenrückgang, zum anderen glaube ich nicht, dass nur ein neuer Berufstitel, die Attraktivität der Pflegeberufe so massiv steigert. Meiner Meinung nach brauchen wir keine generalisierte Ausbildung sondern höhere, attraktivere Löhne und einen angemessenen Personalschlüssel.

  3. Ich bin selbst passionierte und vom Beruf !!! selbst begeistert Altenpflegerin. Eine generalistische Ausbildung wäre für mich nie in Frage gekommen .Ich bin ganz bewusst Altenpflegerin auch wenn ich heute als PDL und Gutachterin arbeite und zur Zeit noch ein Fernstudium absolviere…
    Die Altenpflege wird in nicht geahnt Probleme stürzen und alle 3 Ausbildungen werden massive Qualitätseinbusen erleiten.

  4. Das ist kompletter Unsinn diese völlig unterschiedlichen Berufe zu einem zu machen. Wer sagt, das AP und KP gleich sind, hat nie lange an der Basis gearbeitet. Das ist reine und nicht angemessene Theorie. Traurig das solche Leute das entscheiden!

  5. Haben die da oben pro und kontra Plan erstellt….aber für denen ist es wichtig schnell in den Markt qualifiziertes Personal zu stellen mit ein Riesen gewinnt von den Ausbildung Beiträge. …aber wie man schon sagte diese Berufe sind nicht für jedem geschmackvoll! !!
    2013 wollte ich mich weiterbilden zu Krankenschwester 2018 soll es gehen wer bezahlt mit die 5 Jahre Verspätung ????

  6. Azubine Maja

    LIEBE ALLE, VIELEN DANK FÜR’S MITDISKUTIEREN! HIER KOMMT DER KOMMENTAR VON MARIA LOHEIDE, SOZIALPOLITISCHER VORSTAND DER DIAKONIE, ZU EUREN ARGUMENTEN:

    „Dass die generalistische Pflegeausbildung kontrovers diskutiert wird, ist bekannt. Dies ist auch zu begrüßen, da die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung des wachen Auges bedarf und besonderes Augenmerk darauf legen sollte, dass die Ausbildungsinhalte gut umgesetzt werden und sie in einem leistbaren Umfang erlernbar sind. Auch relevant bleibt die Frage nach den Vertiefungseinheiten der speziellen und frei wählbaren Tätigkeitsfelder. Dass ausgerechnet der Bereich der Altenpflege innerhalb der curricularen Ausgestaltung des Ausbildungsganges an Gewicht verlieren sollte, ist eher eine Befürchtung als eine Tatsache.
    Auf dem Portal „Soziale Berufe kann nicht jeder“ geht es um die Bewerberinnen und Bewerber, die sich für einen Beruf im Sozial- und Gesundheitswesen interessieren. Aus ihrer Sicht ist die generalistische Pflegeausbildung zu betrachten. Eine Diskussion zu führen, ob es gut ist oder nicht, ist mit Verlaub an anderer Stelle zu führen.
    Mit der Generalistik muss keine andere Berufsbezeichnung – wie bisher Altenpflege, Krankenpflege, Kinderkrankenpflege – innerhalb der Pflege erworben werden, da sie im Abschluss der Pflegefachfrau und des Pflegefachmannes enthalten ist. Selbstverständlich sind Vertiefungseinheiten und später Fort- und Weiterbildungen im Sinne des Berufsbegleitenden Lernens zu besuchen, aber dies ist in jedem Beruf so.
    Warum sollte sich die Pflege bezüglich der Generalistik verheben? Ist es nicht vielmehr ein Zugewinn, sich nicht mit Beginn der Ausbildung für einen Spezialbereich entscheiden zu müssen. Oft fällt diese Entscheidung in jungen Jahren. Verschiedene Ausbildungen und auch Studiengänge, bspw. die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin, zum staatlich anerkannten Erzieher oder der Studiengang Soziale Arbeit, sind nicht spezialisiert auf ein spezifisches Arbeitsfeld und laufen in eine Ausbildungseinbahnstraße.
    Gewünscht sind Pflegekräfte, die sich berufsbiographisch in den Arbeitsfeldern der Pflege zu Hause fühlen. Und hier hat Pflege verschiedene Facetten, die sich je nach persönlicher Interessenlage mit der Generalistik freier wählen lassen. Zudem ist die bewusste Entscheidung für den Beruf der Altenpflege auch mit der Generalistik möglich. In den Tätigkeitsfeldern der Pflege auch wechseln zu können, sollte nicht mehr damit verbunden sein „noch ein Jahr anzuhängen“. Sondern die Möglichkeit eines Wechsels sollte, wenn die persönliche Interessenslage sich ändert, gegeben sein; der Punkt ist hier die Motivation bei der Arbeit und das Interesse an pflegerischen Berufen. Wer mit den Arbeitsumständen zufrieden ist, wird auch nicht wechseln. Daran wird ebenfalls die Generalistik nichts ändern. Tragen Personalschlüssel und andere Modalitäten nicht zu einer Arbeitszufriedenheit bei, ist nicht die Generalistik zur Verantwortung zu ziehen.
    Die einzelnen Pflegebereiche gegeneinander auszuspielen bringt die Pflege nicht weiter; die Pflege nicht und auch nicht die zu führende Diskussion bezüglich der Ausgestaltung der Ausbildung!“

  7. Sehr geehrte Fr. Loheide,

    ich kann ihnen leider nicht zustimmen.

    Zum einen ist es kein Gerücht, dass die Altenpflege verlieren wird, sondern ist sogar in der Publikation:

    „Pflegebildung offensiv : das Bildungskonzept des Deutschen Bildungsrates für Pflegeberufe“ 2006,

    einer Publikation, die als Initialzündung und Konzeption für das Gesetz gilt, nachzulesen.

    Dann stimmt es doch einfach nicht: wenn ich Erzieher lerne, werde ich in einem Kindergarten oder Kinderheim arbeiten. So wie als Altenpfleger in einem Pflegeheim oder ambulanten Dienst. Darüber hinaus gibt es für beide noch viele weitere Möglichkeiten, die sich vor allem durch Interesse oder Weiterbildung eröffnen.

    Niemand will hier die Berufe gegeneinander ausspielen. Wie kommen sie darauf?
    Aber es stimmt einfach nicht, dass eine mangelnde Mobilität die Berufe uninteressant macht. Wie gesagt, bereits jetzt kann man in den jeweils anderen Bereichen arbeiten.

    Und selbstverständlich ist die Generalistik nicht für den Personalschlüßel zur Verantwortung zu ziehen, wie auch? Aber wenn mit ihr nur noch eine breite Grundausbildung gewährleistet wird, dann trägt sie letztlich zu einer Verschlechterung der Berufsqualifikation, damit der Arbeitszufriedenheit und letztlich auch zu schlechteren Ausbildungsbedingungen in den Einrichtungen bei.

    Mal ehrlich, was finden Sie, ganz persönlich, nicht aus Empathie für all die Jugendlichen, die sich für einen Beruf entscheiden sollen, – was fnden sie gut an der Generalistik?

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen!

    • Azubine Maja

      Hallo Saviano, danke für’s Mitdiskutieren in unserem Blog! Darf ich dir als Redakteurin von „SOZIALE BERUFE kann nicht jeder“ antworten: Es ist ok, dass du eine andere Meinung hast. Wir als Diakonie sehen es so wie oben ausführlich beschrieben. Es geht nicht darum, was Frau Loheide persönlich findet. Sie gestaltet in ihrer Funktion als Diakonie Vorstand die Sozialpolitik so mit wie es unsere erfahrenen Experten gemeinsam mit dem Vorstand nach ausführlichen Beratungen und Prüfungen für richtig halten und entschieden haben. In unseren Arbeitsgremien sitzen nicht nur „realitätsfremde Verbandsreferenten“, falls du diese Sorge hast, sondern auch Verantwortliche aus Pflegeeinrichtungen, die die Generalistische Ausbildung für eine gute Idee halten und zum Teil in Ihren Einrichtungen schon seit Jahren in Form von erfolgreichen Modellprojekten ausprobieren. Siehe dazu auch unseren Film, unser Azubi-Portrait und unsere Interviews in unserem Special „Generalistische Pflegeausbildung“ unter http://www.soziale-berufe.com/die-generalistische-pflegeausbildung. LG, Maja

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