Aus dem Ausbildungsalltag einer Erzieherin: Brenzlige Situationen und viele Umarmungen

kann-nicht-jeder_theresaIn der Tagesstätte sind „Kinder mit Explosionspotential“ – so beschreibt Theresa (23) ihre Jungs aus der Gruppe. Damit meint sie, dass die Kinder soziale Auffälligkeiten zeigen, denen beispielsweise Bindungsstörungen oder ADHS zugrunde liegen. Die Kinder kommen nach der Schule in die Tagesstätte, es gibt ein gemeinsames Mittagessen, die Hausaufgaben werden erledigt und danach ist Zeit zum Fußballspielen, Pfeil und Bogen basteln oder Musik machen. „Es ist viel Beziehungsarbeit“, sagt Theresa. Und manchmal kommt es zu brenzligen Situationen, dann steht eine Explosion kurz bevor.

Zum Beispiel als der elfjährige Markus furchtbar wütend mit erhobenem Stuhl auf sie zustürmt. Mit Markus verbindet Theresa eine besondere Beziehung. Die beiden verstehen sich gut. Er kommt oft zu ihr und sagt: „Ich bin wütend, nimm mich in den Arm.“ Dann kuscheln sie. Theresa kann Markus gut verstehen. Sie hatte selbst keine einfache Kindheit, ist in einer Pflegefamilie groß geworden. Sogar mit Drogen hat sie experimentiert. Viele Leute hatten sie aufgegeben und gesagt: „Das schaffst du eh nicht.“

Theresa Greiner ist angehende Erzieherin © Rummelsberger Diakonie/Andrea Wismath

Theresa Greiner ist angehende Erzieherin © Rummelsberger Diakonie/Andrea Wismath

Nur ihre Pflegemutter hat unbeirrt an sie geglaubt und sie immer unterstützt. Und Theresa schafft es – die Drogentherapie, das Abitur und jetzt wird sie Erzieherin. „Ich gebe die Kinder in der Tagesstätte niemals auf – es ist so entscheidend, dass jemand an dich glaubt.“ Und das zeigt sie in ihrer Arbeit. Durch ihre eigenen Erfahrungen kann sich Theresa gut in die Jungs hineinversetzen und weiß, wie es ihnen geht. Die gemeinsamen Erfahrungen verbinden, es entsteht schnell eine Beziehung.

 

Deshalb kann sie auch Schlimmeres verhindern, als Markus wütend auf sie zugestürmt kommt. Theresa fragt ihn: „Willst du das wirklich?“ Da bleibt er stehen, lässt den Stuhl fallen und fällt ihr weinend in die Arme.

Dass sie einmal Erzieherin wird, hätte Theresa nie gedacht. „Irgendwie habe ich mich spontan beworben und es hat geklappt.“ Bei der Arbeit merkt sie, dass es genau der Platz ist, an dem sie gebraucht wird.

Theresa Greiner absolviert eine Ausbildung zur Erzieherin an der Fachakademie für Sozialpädagogik der Rummelsberger Diakonie in Rummelsberg. Hier berichtet sie aus ihrem Ausbildungsalltag in einer heilpädagogischen Tagesstätte. Klingt spannend? Weitere Infos zur Ausbildung findest du unter: http://faks-rummelsberg.de/

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