Mein Weg in die andere Welt nebenan: Ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus in Deutschland

hhofer_212 Jahre Schule, Abitur und dann? Ein großes Fragezeichen. So wie mir ging es zahlreichen Klassenkameraden. Nach einem erfolgreichen Abschluss verabschiedeten wir uns. Ob nach Afrika oder Augsburg. Als Worker oder Traveller, als Volunteer oder 08/15 BWL Student. Wo es Viele in die Welt hinauszog, oder zumindest aus unserem provinziell erscheinenden Heimatörtchen, blieb ich. Ich „volunteere“ jetzt. Nicht fancy in Tansania bei Waisenkindern, sondern in Deutschland in der Oberlinklink Potsdam. Sozial engagieren wollten wir uns alle. Irgendwie etwas „Gutes“ tun. Irgendwie unseren Weg finden.

Zweimal über den Atlantik

Meiner begann schon vor ein paar Jahren, als es mich in die USA katapultierte. Ich war High Schooler und ein Jahr lang im Genuss des amerikanischen Schulsystems. Der Vorzug: allerhand interessante Kurse, die ich in Deutschland nie belegen könnte. Das Resultat: meine Faszination für Medizin wurde geweckt. Sie wird mich in Deutschland nicht wieder los lassen. Während der Oberstufe absolvierte ich den Rettungsschwimmer. Die Zweifel setzten ein. Ist Medizin das Richtige für mich? Es gibt doch noch so viel mehr da draußen… Als Worker, als Traveller, als Volunteer, und nicht als 08/15 Medizinstudent.

Mit dem zweiten Katapult über den Atlantik packte mich eine weitere Leidenschaft. Der Journalismus. Als Nachwuchsreporterin war ich für den Tagesspiegel bei den Paralympischen Spielen 2016 in Rio. Hochleistungssportler mit Behinderung motivierten mich. Ich selbst könnte nie so schnell laufen oder weit springen, wie die Sportler ohne Beine. Oder so ausdauernd fahren, wie es die Sportler im Rollstuhl tun.
Da ist es schon wieder. Diese Sportler sind nicht aufgewacht und losgerannt. Ich frage mich, wo der Ursprung ihrer Beeinträchtigung liegt. Welcher Gendefekt verhinderte die Ausbildung der Arme? Welche OP rettete nach dem Unfall ihre Beweglichkeit?
Aber die wissenschaftliche Ebene reicht mir nicht. Welcher Weg steckt hinter dem Paralympics Gold? Oder hinter der hart erkämpften Teilnahme, die viel erfüllender ist?

Neues Universum Potsdam

Ich bin im Zwiespalt. Die Medizin scheint mich zu verfolgen, aber auch der Journalismus lässt mich nicht los.
So folge ich dem Motto, was vielleicht 08/15, aber doch gar nicht so schlecht ist. „Probieren geht über Studieren.“ Bevor ich ein Studium beginne möchte ich mir sicher sein: Medizin ist das Richtige. Wohin auch immer sie mich tragen mag.
Als Freiwillige der Diakonie bin ich jetzt Teil des Pflegeteams der Oberlinklinik Potsdam. Auf der Neuroorthopädie entdecke ich, dass man für spannende Erfahrungen weder Worker noch Traveller sein muss. Es reicht schon einen Schritt in das örtliche Krankenhaus zu wagen, um in ein ganz neues Universum katapultiert zu werden. Hier sitzen Kinder, die nie paralympisches Gold gewinnen werden. Auch nie Worken oder Travellen. Aber ihre Geschichten sollten trotzdem erzählt werden. Mit meiner Arbeit als Freiwillige trage ich zu ihrer Geschichte bei. Dabei erlebe ich selbst Einiges, dass ich teilen möchte.

Ich bin Hannah, 18, Abiturientin. Jetzt FSJlerin. Jungjournalistin. Medizinstudentin to be? Als Bloggerin für blog.soziale-berufe.com möchte ich euch einen Einblick in die Welt geben, die hinter verschlossenen Krankenhaustüren liegt. Mit welchen Herausforderungen kämpfen Patienten? Pflegepersonal? Therapeuten? Und welche Anliegen beschäftigen FSJler (der Diakonie), die den Sprung in die Welt der sozialen Berufe im Krankenhaus wagen.
Auf Antworten und Geschichten aus dem Krankenhausalltag einer FSJlerin könnt ihr euch in den nächsten Beiträgen freuen.

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