Aus HEP wird TEP? Auf der Suche nach einer neuen Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege

Ende Januar 2019 fand auf Einladung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege (BAG HEP) ein Workshop mit Vertreter*innen verschiedener Verbände statt. Das Ziel: eine neue Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege. Am Ende stand ein eindeutiges Votum: Die Berufsbezeichnung soll sich in „Fachkraft für Teilhabe und Pflege“ weiter entwickeln.

Lara (23) über ihren Beruf: „Ich mache Menschen glücklich. ” Sie lernt Heilerziehungspflegerin im Ev. Johannesstift in Berlin-Spandau und erzählt im Video im Diakonie Karriereportal davon.

Die BAG HEP Mitgliederversammlung hatte bereits im November 2017 ihren Vorstand beauftragt, aktiv zu werden in Richtung einer neuen Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege. Immer wieder stand der Name Heilerziehungspflege in den vergangenen Jahrzehnten in der Kritik vor allem auch der Selbstvertreter*innen. Zu fremdbestimmt, zu wenig positiv aussagekräftig für das, was den Beruf kennzeichnet, zu wenig lockend für am Beruf Interessierte, war die immer wieder vorgetragene kritische Rückmeldung.

Der Workshop-Tag startete Ende Januar 2019 mit einem Blick zurück in die Geschichte der Berufsbezeichnung und die in den letzten Jahren immer wieder geführte Diskussion rund um den Namen. Der Begründer des Berufs, Pfarrer Ludwig Schlaich, brandmarkte schon mit der Einführung des Namens für den von ihm in der damaligen „Anstalt“ Stetten (Baden-Württemberg) etablierten Beruf, die Berufsbezeichnung als „Wortungetüm“.

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Mehrfach wurde sich mit dem Namen kritisch im Rahmen von Fachtagen auseinandergesetzt. „Vom Heilerziehungspfleger … zum Hepatroniker“ hieß es im März 2012 in Fulda. Kreativ wurden seinerzeit Ideen für einen möglichen Nachfolgenamen gesucht. In der im Juli 2012 von BAG HEP, Berufsverband HEP und Schlaich-Stiftung etablierten Online-Befragung sprachen sich 64% der Teilnehmenden für eine neue Berufsbezeichnung aus. Von einer Einigung auf einen Namen war man aber noch meilenweit entfernt. Der 2. Fachtag im März 2014 in Mainz wurde unter dem Motto: „Berufsbezeichnung Heilerziehungspflege – den Aufbruch wagen“ konkreter. Neben Kritik an der Berufsbezeichnung von Selbstvertreter*innen wurden drei konkrete Vorschläge als alternative Namen diskutiert:

  • Inklusionspädagoge,
  • Sozialpädagoge Fachrichtung Behindertenhilfe oder die
  • Fachkraft für Teilhabe, Bildung und Pflege.

Zuletzt setzte sich Ende 2017 prominent Raul Krauthausen als Selbstvertreter unter dem Titel „Ich möchte nicht geheilt werden“ kritisch mit der Berufsbezeichnung auseinander.

Angesichts aktueller Entwicklungen in der Eingliederungshilfe und der Ausbildungsdiskussion (ICF, UN-Behindertenrechtskonvention, Bundesteilhabegesetz, DQR 6) ist es notwendiger denn je, die Berufsbezeichnung zu aktualisieren, denn der Berufsname Heilerziehungspflege trägt immer wieder zu Missverständnissen in Bezug auf das Berufsbild bei. Der Name für die Fachkräfte in der Eingliederungshilfe repräsentiert nicht stimmig, was heute die Arbeit in der sogenannten Heilerziehungspflege ausmacht.

Vor diesem Hintergrund kamen Vertreter*innen der BAG-HEP, der Ludwig-Schlaich-Stiftung, des Inklusionsbeirats, des Berufsverband HEP, der Verbände (Anthropoi Bundesverband, Bundesverband evangelische Behindertenhilfe BeB, Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie CBP, Bundesvereinigung Lebenshilfe), der Gewerkschaft Ver.di, und Fachschüler*innen und Heilerziehungspfleger*innen zusammen mit dem Ziel eine zeitgemäße attraktive Berufsbezeichnung für das Berufsbild HEP zu entwickeln.

Am Ende des Tages stand ein sehr eindeutiges Votum mit einer 80-prozentigen Zustimmung der Teilnehmenden für eine neue Berufsbezeichnung: Aus HEP wird TEP! Fachkraft für Teilhabe und Pflege. Mit der Einigung auf eine neue Berufsbezeichnung ist nun ein erster wichtiger Schritt in Richtung Umbenennung des Berufs getan. Gemeinsam mit den Verbänden wird sich nun die BAG HEP für eine Umsetzung der Namensänderung einsetzen!

Dabei schlägt der am Tag entwickelte Slogan „aus HEP wird TEP“ eine gelungene Verbindung zwischen alter und neuer Berufsbezeichnung. Mit dieser Brücke gilt es nun auch alle die, die vielleicht noch Berührungsängste mit dem neuen Namen haben, nicht nur zu überzeugen und mit ins Boot zu holen, sondern in dieser zukunftsfähigen Entscheidung für die Heilerziehungspflege zu aktiven Mitstreitern zu machen.

In der finalen Diskussion des Workshop-Tages wurde deutlich auf den Punkt gebracht was die Heilerziehungspflege dringend benötigt: Einen realistischen Namen, der gut die Besonderheit der Heilerziehungspflege und die Kernaufgaben als die Fachkräfte für Teilhabe und Pflege deutlich macht! Mit dieser Kurzfassung des Berufs können zukünftig viel leichter neue Berufsinteressent*innen angesprochen werden. Sie ist auch berufspolitisch wertvoll, da Sie gleich die Besonderheit des Berufes als „Multiprofession“ im Namen stimmig deutlich macht und die beiden im Beruf verknüpften Kernbereiche schon in der Berufsbezeichnung aufführt: Aus Heilerziehungspflege wird die Fachkraft für Teilhabe und Pflege. Aus HEP wird TEP!

Text: Diakonie/emhas

Azubine Maja

Veröffentlicht von

34 Jahre alt, Referentin Jugendkommunikation Online beim DW EKD

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Über Spuckattacken, Elektroroller, Schwachstellen im Fördersystem, neue Berufsbezeichnung für "Heilerziehungspflege", neue Vorbilder und Autismus. Vom 9. April 2019 – Raul Krauthausen - Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit. : Ra

  2. Hallo,
    es ist erschreckend wie leichtfertig eine weitere Abwertung des Berufs unterstützt wird. Fachkraft für Teilhabe und Pflege? Schon die Bezeichnung „Fachkraft“ ist auf dem Arbeitsmarkt eine Abwertung. Die fraglos großen pädagogischen Anteile werden komplett rausgenommen. Dies wird der praktischen Arbeit und den vielfältigen Bedürfnissen der Klienten nicht in Ansätzen gerecht und predigt Stillstand. Wirklich unfassbar was ihr da vorantreibt. Von den drei zur Wahl stehenden Optionen den schwächsten zu wählen ist sehr ärgerlich. Man kann wirklich nur hoffen, dass sich das nicht durchsetzt und ihr eure Haltung überdenkt.

    Viele Grüße
    Jan

    • Azubine Maja

      Hallo Jan, welche neue Berufsbezeichnung fändest du denn am besten für die Heilerziehungspflege? LG, Maja

  3. Lieber Jan,
    ich sehe das ganz genauso. Ich zum Beispiel bin HEP und mein Schwerpunkt liegt im Bereich Pädagogik, Teilhabe und Bildung. Weiter geht der Kampf um Anerkennung des Berufs schon im Namen. Erzieher werden zum Bachelor und die HEPs zur Fachkraft.
    Fachkraft für Teilhabe und Pflege aber gut die Menschen mit Behinderung werden ja nun auch Teilhabebeeinträchtige genannt und nicht Menschen mit Beeinträchtigung. Läuft bei Euch 😉
    Gruß Jule

  4. Ich bin auch gelernte Heilerziehungspflegerin und mit dem Begriff „Fachkraft für Teilhabe und Pflege“ ebenfalls sehr unglücklich! Zum einen erweckt es den Eindruck, als wenn man mit diesem Beruf zwangsweise in der Pflege arbeiten muss(!), was für zukünftige Interessenten sicherlich zusätzlich abschreckend ist. Und zudem auch nicht der Realität entspricht. Denn von den 28 Leuten aus meiner Fachschulklasse arbeiten nur 2 Leute im pflegerischen Bereich, der Rest in rein pädagogischen Berufen.

    Zum anderen wirkt – wie bereits erwähnt – der Titel „Fachkraft für Teilhabe und Pflege“ ehr wie eine Abwertung. Das ganze wirkt nicht mehr wie ein vollständiger Berufstitel á la „Ich bin Sozialarbeiter“, sondern ehr wie eine schwach anerkannte Zusatzqualifikation, die man in einem Wochenend-Kurs gemacht hat.

    Während man früher schon umständlich erklären musste, was man als Heilerziehungspfleger eigentlich genau macht, würde es mit der Bezeichnung zukünftig noch weniger eindeutig werden. Auch lässt es völlig außer Acht, dass Heilerziehungspfleger mittlerweile auch auf ganz vielen klassischen Sozialarbeiter Stellen eingesetzt werden. Ich selbst arbeite im sozialpsychiatrischen Bereich, viele meiner ehemaligen Kommilitonen arbeiten ebenfalls im Psychiatriebereich, in der Suchthilfe, Obdachlosenhilfe, in KITA’s, Jugendheimen, ect.

    Mit dem neuen Titel wird der Beruf aber (gefühlt) wieder rein auf die Behindertenhilfe reduziert. Inklusionspädagoge wäre von den 3 Vorschlägen noch derjenige, mit dem ich am ehesten leben könnte, da dort zumindest auch der große pädagogische Anteil dieses Berufes deutlich wird, der ja zudem auch in der Ausbildung dominiert.

    Was passiert denn dann eigentlich mit den gelernten Heilpädagogen? Werden die auch umbenannt?

    Liebe Grüße,
    Jacqueline

    • Azubine Maja

      Liebe Jacqueline, Jan und Co., wir danken euch für eure rege Diskussion zur Frage der neuen Berufsbezeichnung für Heilerziehungspfleger*innen! Ich habe eure Argumente an die zuständige Referentin bei der Diakonie Deutschland und die Bundesarbeitsgemeinschaft Heilerziehungspflege weitergeleitet. Ich hoffe, sie werden sich hier dazu äußern! LG, Maja

  5. Kann mich den Vorgängern nur anschließen, und bin der Meinung, dass man den Beruf mit der Bezeichnung „Fachkraft für Teilhabe und Pflege“ für zukünftige Generationen ehr noch viel unattraktiver macht. Auch frage ich mich, inwiefern Heilerziehungspfleger überhaupt Fachkräfte für die Pflege sein können? Der Pflegeanteil in der HEP-Ausbildung ist extrem gering, und die meisten wählen die Ausbildung auch nicht, weil sie in der Pflege arbeiten wollen, sondern weil sie pädagogisch arbeiten wollen. Somit ist es im Grunde auch eine Abwertung gegenüber all den Krankenpflegern und Altenpflegern, die durch ihre 3jährige Ausbildung mit dem tatsächlichen Schwerpunkt auf Pflege als einzige das Recht haben sollten als Fachkräfte für die Pflege bezeichnet werden zu dürfen.

    Komischerweise bekommt man auch erst jetzt von dieser Debatte mit, ansonsten hätten sich vermutlich schon viel früher die HEP’s zu Wort gemeldet. Denn wenn man mal bei Facebook und so die Kommentare zu dem Thema liest, scheint die Bezeichnung „Fachkraft für Teilhabe und Pflege“ von allen HEP’s einstimmig abgelehnt zu werden.

    Auch für mich ist „Inklusionspädagoge“ die einzig akzeptable Alternative.

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