Heilerziehungspflegeassistentin Jingwen (22) aus China: „Mein größter Wunsch ist, meine Ausbildung gut zu bestehen“

Jingwen Zhang (22) aus Panzhihua in China macht die Ausbildung zur Heilerziehungspflegeassistentin bei der Diakonie Kork. Im zweiten Anlauf hat sie es mit Hilfe von Personalvermittlerin Olivia Prauss von YANGLAO Altenpflegeservices geschafft, in Deutschland Fuß zu fassen.

Wie kam es, dass du nach Deutschland gekommen bist?

Ich habe in China die Krankenpflegeausbildung gemacht. Vor etwa fünf Jahren habe ich gehört, dass in Deutschland Pflegekräfte gesucht werden. Deutsch ist eine Fremdsprache für mich und Deutschland ein fremdes Land, und das fand ich interessant. In China habe ich einen Deutschkurs gemacht und die B1 Prüfung bestanden. Dann bin ich nach Deutschland gekommen und habe eine Altenpflege-Ausbildung angefangen.

Du bist aber nicht in Deutschland geblieben, was ist passiert?

Ich wurde krank und musste von August 2017 bis Mai 2019 zurück in meine Heimat gehen. Im Mai 2019 kam ich zurück, zuerst für einen kurzen Freiwilligendienst und seit September 2019 mache ich die Heilerziehungspflegeassistenten-Ausbildung. Diesmal hatte ich Unterstützung von Olivia Prauss von YANGLAO Altenpflegeservices. Sie hat mich an die Diakonie vermittelt und am Flughafen abgeholt. Sie hat mir mit den Dokumenten geholfen. Olivia ist sehr wichtig für mich, ich frage sie oft, wenn ich etwas nicht verstehe.

Wie gefällt es dir in Deutschland, was sind die Unterschiede zu China?

Die deutsche Sprache ist schwer, aber Chinesisch ist schwerer. Deutsch ist so ähnlich wie Englisch wegen des Alphabets. Nur die lateinischen Fachwörter finde ich wirklich schwer. Meine Kolleg*innen in der Ausbildung helfen mir aber gerne.

Der Ort Kork ist sehr klein, aber schön. Er ist nah an Frankreich und Karlsruhe. Ich war schon in Straßburg und Karlsruhe, dort hatte ich ein Seminar. In meiner Heimatstadt in China leben 1 Million Menschen, sie gilt dort als kleine Stadt!

Andere Unterschiede, die mir aufgefallen sind: In China essen wir dreimal warm pro Tag. In Deutschland wird nur einmal warm gegessen. Bei uns gibt es mehr Hochhäuser, hier mehr kleine Häuser, aber das gefällt mir. Hier ist mehr frische Luft. Aber in Deutschland ist es auch langweilig, es gibt zu wenige Unterhaltungsangebote. Man geht nach der Arbeit einfach nur nach Hause.

Wie läuft es in der Ausbildung?

In China haben wir 2 Jahre in der Schule und 1 Jahr Praktikum. In Kork lernt man die Theorie und Praxis parallel. Ich arbeite mit Kindern mit Behinderung, übernehme die Grundpflege und spiele mit ihnen. Wenn sie Hilfe brauchen, bin ich für sie da. Die schönste Situation habe ich mit einem kleinen Bewohner erlebt, dessen Spielzeug kaputt war. Seit ich es für ihn repariert habe, kommt er immer zu mir und sagt: „Ich hab dich lieb!“ Ich finde ihn sehr süß. Die Diakonie Kork bezahlt mir außerdem einen Deutschkurs. Zweimal die Woche nehme ich Unterricht, das B2 Zertifikat ist das Ziel.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Mein größter Wunsch ist, meine Ausbildung gut zu bestehen und dann als Fachkraft hier zu arbeiten. In ein paar Jahren würde ich gerne eine Familie gründen und kann mir dann auch vorstellen, für immer hier in Deutschland zu bleiben. Wenn das nicht klappt, gehe ich nach ein paar Jahren Berufserfahrung wieder zurück.

Schade, dass keiner meiner Freunde aus China nach Deutschland kommt. Manche hätten Lust, aber sie finden Deutsch zu schwer. Ich kenne aber einige Chinesen in Deutschland, in Stuttgart und in Niedersachsen. Manchmal treffe ich sie. Dann kochen wir chinesisches Essen.

Unsere Informationen für internationale Bewerber*innen findet ihr hier!

 

Interview: Diakonie/Maja Roedenbeck Schäfer

Azubine Maja

Veröffentlicht von

34 Jahre alt, Referentin Jugendkommunikation Online beim DW EKD

Schreibe einen Kommentar