Freiwilligendienst in der Slowakei

Veröffentlicht am 14. Mai 2012 von Azubine Maja in News aus der Redaktion
Tags: , ,

Hannes (20) macht sein Diakonisches Jahr im Ausland in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Von Mathe unterrichten bis Weihnachtsengel basteln hat er alles schon gemacht – und dabei gelernt, das Leben lockerer zu sehen.

Eine Kollegin und ich an Halloween

„Was, du gehst in die Slowakei? Weißt du denn, was du dir da antust?“, fragten meine Freunde. Ja, ich dachte, dass ich es wüsste. Ich erwartete Trabants, Plattenbauten und eiskaltes Wetter. Doch als ich in der Slowakei ankam, fuhren mir stattdessen VWs und BMWs entgegen. Von Kälte war bei gefühlten 30°C im Schatten nichts zu spüren. Und Plattenbauten? Nicht vorhanden! Hatte ich mir etwa das falsche Land ausgesucht? Ich wollte doch in den Osten, mich gegen Eisbären wehren, nebenbei noch die Welt retten!

Als ich das erste Mal in meine Einrichtung kam, war ich froh, dass ich dort jemandem zugewiesen wurde, der des Englischen mächtig war. Auf dem Programm stand Weihnachtsengel basteln (mitten im Sommer!). Also habe ich zusammen mit einer Klientin einige Figuren getöpfert. Ich habe einzelne Teile aus dem Ton geschnitten und mit Kleister beschmiert, während sie diese dann mit meiner Hilfe angeklebt hat.

Das lepsi svet - eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung

Allein das freudige Gesicht von ihr dabei zu sehen, war jede Mühe wert. Jeder Zweifel darüber, ob dieses Jahr nicht totale Zeitverschwendung sein könnte, war wie weggeblasen! Sie hat mir alles Mögliche erzählt, aber außer ein paar Wörtern, die ich vorher in einem zweiwöchigen Sprachkurs in der Slowakei gelernt hatte, habe ich nichts verstanden. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, entweder nicht alles oder – was öfter vorkam – gar nichts zu verstehen. Fröhliches Nicken war meine Devise. Mit der Zeit stellten sich aber auch Erfolge ein und ich freute mich über jede Konversation, die ich auf Slowakisch zustande brachte. Da wurde eine verstandene Frage wie „War das alles?“ oder „Hannes gib mir mal …“ zu einem Erfolgserlebnis.

Der Arbeitstag im lepsi svet („bessere Welt“), der Einrichtung für Menschen mit Behinderung, ist übersichtlich gegliedert. Morgens werden Klienten in verschiedene Gruppen aufgeteilt, in die ich mich dann zuordnen kann. In einer Gruppe werden Keramiken, in einer anderen Blumengestecke oder auch Arbeiten aus Papier hergestellt. Nach dem Mittagessen gibt es Lehrangebote, in denen die Klienten Geschichte, Tanzen, Deutsch, Englisch, Slowakisch und Mathematik lernen sollen. Auch bei diesen Lehraktivitäten kriege ich unheimlich viel zurück: Ich freue mich, wenn die Klienten – dank meiner Hilfe – lernen, Mathematikaufgaben zu lösen. Außerdem gibt es zu verschiedenen Anlässen immer wieder besondere Aktionen. So musste sich zum Beispiel an Halloween jeder verkleiden. Es gab verschiedene Stationen, in denen die Klienten unterschiedliche Aufgaben erledigen mussten, um anschließend zu einem Schatz zu gelangen.

Das Arbeiten mit geistig behinderten Menschen macht mir enorm viel Spaß und ich fühle mich teilweise wieder wie ein Kind. Da kann ich beim Essen eine halbe Stunde Spaß daran haben, mit Servietten zu werfen. Oder auch mal einen halben Nachmittag sich gegenseitig durch die Haare zu wuscheln und zu kitzeln ist kein Problem. Für mich ist der Ausdruck, dass ein Lächeln Welten versetzen kann, hier auf jeden Fall wahr geworden! Aber auch aus kleinen Unannehmlichkeiten versuche ich das Beste zu ziehen. So beantworte ich die täglich wiederkehrenden Fragen einer bestimmten Klientin nach den Berufen meiner Eltern oder wann ich denn nach Hause fahre jeden Tag neu und trainiere so automatisch mein Slowakisch!

Mit der Betreuung von Seiten des DJiAs bin ich sehr zufrieden. Neben einem Sprachkurs einmal in der Woche haben wir immer die Möglichkeit, uns bei Problemen an unsere Koordinatorin Nata zu wenden. Auch durch Aufmerksamkeiten wie kleine Geburtstagsgeschenke, fühle ich mich in der Organisation gut aufgehoben. Dieses Gefühl wird durch gemeinsame Aktionen sehr bestärkt. Ein nicht unerheblicher Teil dessen, warum mein Jahr bisher so gut verlaufen ist, ist auch die gute Vorbereitung des DJiA-Teams. Danke dafür! Auch für das Notfallpaket möchte ich mich bedanken – auch wenn ich es noch nicht aufgemacht habe und es wahrscheinlich auch nicht tun muss.

Auch persönlich hat sich bei mir im Laufe des Jahres viel verändert. Durch die Auszeit zwischen Schule und Studium habe ich Zeit zu reflektieren. „Wer bin ich eigentlich und was mache ich eigentlich hier?“ bzw. „Wo stehe ich eigentlich“? Diese Frage für mich beantwortet zu haben, bringt mir sehr viel im Leben. Durch die Erfahrungen mit einer anderen Kultur habe ich eine ganze andere Sicht auf meine eigene deutsche bekommen: Es ist nicht so dramatisch, wenn ich mal 10 Minuten zu spät komme. Ich habe für mich gelernt, dass wir Deutschen uns manchmal viel zu sehr in Stress versetzen wegen Kleinigkeiten. Auch habe ich gelernt, mal nein sagen zu können, wie „Nein, ich werde jetzt nicht schon wieder der Dumme sein, der den Abwasch macht“. Weiterhin habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich mal zurückzunehmen. Aber auch seinen Mund aufzumachen, da man sonst Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren. Allgemein hat mir das DJiA geholfen, das Leben lockerer zu sehen. „Ohh, wir haben in der Wohnung über uns einen Wasserrohrbruch?“ Egal, solange wir Handtücher haben, wird uns schon nicht der Himmel auf den Kopf fallen! Am Anfang war ich total unsicher, aber die ganzen Erfahrungen haben mir geholfen, mich zu entwickeln und zu einem offenen Menschen heranzuwachsen. Ich freue mich auf den Rest des Jahres, da mir die Arbeit viel gibt und es eine wunderbare Gelegenheit ist, mich und die Welt besser kennen zu lernen.

 

Alle Infos zum Diakonischen Jahr im Ausland hier.

Hannes macht ein Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA) über die Evangelischen Freiwilligendienste für junge Menschen FSJ und DJiA gGmbH.

 

Sein Dienst wird gefördert als Europäischer Freiwilligendienst über das Programm „Jugend in Aktion“ der Europäischen Kommission.

 

Ist doch völlig klar, oder: Du hast ein Recht auf Bildung, auf Eheschließung, auf Meinungsfreiheit, auf Religion, auf Eigentum, auf geheime Wahlen. NIEMAND  hat das Recht, dich zu verletzen, als Sklave zu halten und dir Zwangsarbeit aufzuerlegen. Dies gilt IMMER und für JEDEN Menschen, EGAL welcher Herkunft er ist, welches Geschlecht er hat, welcher Religion er zugehört und welche Sprache er spricht. Die Menschenwürde muss gewahrt werden. Denn JEDER Mensch hat ein RECHT darauf. Für uns ist das ganz normal. Wir kennen unsere Rechte und leben danach. Aber es gibt Regionen in denen  noch Folter, Sklaverei und Todesstrafen ausgeübt und verhängt werden.

Um diese Menschenrechte in der Öffentlichkeit populärer zu machen, durchzusetzen und zu wahren, gibt es Menschenrechtsorganisationen. Wie ich euch schon im letzten Blog berichtete, war das Thema Menschenrechte einer meiner Leistungsnachweise im zweiten Semester  meiner Sozialassistentenausbildung im Evangelischen Johannesstift Spandau, im Fach Sozialkunde. Somit  musste ich mit einer Kollegin genau solch eine Organisation vorstellen und zwar „Die deutsche Liga für Menschenrechte“ (früher – „Bund Neues Vaterland“).  Diese Liga gibt es schon seit 1914 und sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Einfluss zu nehmen auf das Verhalten von Regierungen, Behörden und Institutionen. Zum Beispiel wollen sie die vom Staat vorgenommenen Zwangstrennungen von Kindern aus ihren Elternhäusern verhindern. Allgemein stehen sie natürlich für Frieden und Gerechtigkeit und setzen sich dafür ein.

Zwei andere Kollegen haben in einem sehr ausführlichen Vortrag den „Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte“ vorgestellt. Dieses urteilt  zu Gunsten der Menschenrechte. Den ausführlichen Bericht werde ich hier nicht wieder geben, aber ein Video habe ich für euch, welches noch einmal unsere Menschenrechte verdeutlicht.

Auch Menschen mit Behinderung haben Rechte -  gar die gleichen wie wir alle. Ganz besonders haben sie aber auch ein Recht auf ein „normales“ Leben. Sie möchten in die Gesellschaft integriert werden, nicht ausgeschlossen sein.  Sie wollen die gleiche Bildung wie Menschen ohne Behinderung, sie wollen arbeiten gehen, Sport treiben und Spaß haben. Aber nicht nur unter sich. Sie möchten nicht zu einer gesonderten Gruppe gehören. Sie wollen akzeptiert und behandelt werden wie „normale“ Menschen. Menschen, wie du und ich.

Und die ersten Schritte hat man dafür schon getan, nämlich in dem man Barrieren abgebaut hat, die den Menschen daran hindern, am „normalen“ Leben teilzunehmen. Für Rollstuhlfahrer gibt es Fahrstühle oder Rampen zum Rauf- und Runterkommen, für Sehbeeinträchtige die Blindeschrift, Piepgeräusche an der Ampel, damit sie wissen wann sie gehen können oder Wegmarkierungen, selbst Gehörlose können sich dank der Gebärdensprache mit anderen verständigen. An Bahnhöfen gibt es elektronische Banner, die Änderungen oder Durchsagen abspielen.

Trotz der ganzen Hilfen ist es aber dennoch nicht optimiert. Entweder reichen die Hilfsmittel nicht aus oder sie funktionieren nicht. Aber ich denke, einer der größten Barrieren ist immer noch die Gesellschaft. Um alle Menschen aneinander heranzuführen, gibt es nun schon seit langem die Integration. So sind Menschen mit Behinderungen in kleinen Gruppen integriert im großen Kreis der Gesellschaft. Aber das reicht noch nicht. Es soll keine extra Schulen, Kindergärten oder Sportvereine geben! Alle Menschen, ob nun mit oder ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen, leben und Spaß haben!  Das besagt das Konzept der Inklusion.

An einigen Schulen wird das schon praktiziert. Aber  es ist kein einfacher Weg, denn für das gemeinsame Lernen gibt es Vor- und Nachteile. An Sonderpädagogischen Schulen werden die Kinder individuell gefördert, müssen aber auch mit der Abgrenzung leben und können sich eventuell nicht gegenseitig unterstützen. Und das gegenseitige voneinander Lernen macht schon viel aus. Denn Kinder lernen ja auch, während sie spielen und sich unterhalten. Aber gerade bei schwerstmehrfach behinderten Kindern ist das schwierig. Gehen Kinder mit gesonderten Förderbedarf an normale Schulen, kann es sein, dass sie nicht die Förderung bekommen, die sie brauchen. Außerdem heißt es nicht, dass sie dort vor der Ausgrenzung geschützt sind. Ich denke schon, dass Inklusion sehr wichtig ist und auch umgesetzt werden sollte, es bis dahin aber noch ein schwerer Weg ist – obwohl  es doch so einfach klingt.

Zum Abschluss möchte ich noch ein paar allgemeine Infos geben. Viele Klausuren sind geschrieben, wovon ich einige schon mit  „gut+“  benotet wiederbekommen habe.  Mein Praktikum befand man anhand der Beurteilung seitens der Praxisstelle, meiner Teilnahme an den Seminartagen und den von mir verfassten Praktikumsbericht für „sehr gut“. Worauf ich natürlich sehr stolz bin.  Leider, leider, leider bekam ich in diesem Semester meine erste wirklich schlechte Zensur – in der Englischklausur „Hörverstehen“ –  wie deprimierend.

Im Fach Pflege haben wir übrigens kontrakturprophylaktische Übungen und verschiedene Lagerungsarten im stiftseigenen Krankenhaus gemacht. Das Bild, welches ihr hier seht, zeigt eine 90° Seitenlagerung. Lagerungen sind wichtig für die Dekubitusprophylaxe. Die Dekubitusprophylaxe ist wichtig für Menschen, die sehr lange liegen oder an einer Stelle sitzen (Rollstuhl) müssen. Durch Nässe, Druck und Reibung auf lange Zeit kommt es oft zum Dekubitus (Wundliegen/Abreibung der Haut). Das Umlagern und Trockenhalten der pflegebedürftigen Person z.B. durch häufiges Wechseln der Kleidung und Bettwäsche trägt zur Dekubitusprophylaxe bei.

In der Hoffnung, euch wieder einen guten Einblick in meinen Ausbildungsalltag gegeben zu haben, wünsche ich euch eine schöne Woche und sage bye bis zum nächsten Mal. Liebe Grüße, Candy

Organspende ja oder nein?

Veröffentlicht am 8. Mai 2012 von Svenja in Azubi-Blog Krankenpflege
Tags: , ,

Hallo liebe Community, seit einigen Tagen geht mir das Thema: “Organspende – Ja oder Nein?” einfach nicht mehr aus dem Kopf. Vorweg gesagt: Ich bin immer noch dafür, auch nachdem wir das Thema bei einem Themenschwerpunkt in unserer Ausbildung noch einmal kritisch hinterfragt haben.

Grund dazu war letzte Woche der Unterricht eines Dozenten, der uns über einige Dinge im großen Kreislauf von Hirntod bis Organentnahme aufgeklärt hat. Der Hirntod ist die vorausgesetzte Diagnose, um überhaupt als Organspender in Frage zu kommen. Hierbei gibt es beim Patienten keine Hirnaktivitäten mehr und er wird auch nie wieder aufwachen, aber das Herz-Kreislauf-System kann durch eine Maschine künstlich am Leben erhalten werden. Zur  Person des Dozenten selbst lässt sich sagen, dass er viele Jahre als Krankenpfleger auf einer Intensivstation gearbeitet hat, wo er viele hirntote Patienten pflegen musste. Danach studierte er Psychologie und machte sein Diplom über “Die psychische Belastung von Pflegepersonal bei der Pflege Hirntoter”.

Nun ist das Thema Organspende emotional sehr aufgeladen. Es gibt viele extreme Meinungen und viele Fakten, die mancher Medizin-Laie gar nicht bis ins Letzte verstehen kann. Und das macht es so schwer, sich wirklich eine fundierte Meinung zu dem Thema zu bilden. Selbst wir Krankenpflegeschüler haben jetzt noch mal viele auch für uns neue Aspekte des Themas kennengelernt.  Wir hatten auch bereits Unterricht zu diesem Thema bei einem Mitarbeiter der Deutschen Organisation für Organspende, der sich natürlich vollkommen für die Organspende aussprach und uns die wichtigsten Aspekte und die Pro-Argumente lehrte: rund 12 000 sehr kranke Menschen in Deutschland warten derzeit dringend auf ein Spenderorgan, ein Mensch kann mit seinen Organen gleich mehreren Menschen das Leben retten, und so weiter. Als aber nun der zweite Dozent in unseren Unterricht kam (der Psychologe, der sich auf die Pflege Hirntoter spezialisiert hatte), lenkte er unser Augenmerk auf die kritischen Aspekte.

Nun saßen wir da im Unterricht, 21 Krankenpflegeschüler, von denen die meisten pro-Medizin denken und daher auch die Organspende vollkommen unterstützen, und werden plötzlich in vielerlei Hinsicht vor neue Erkenntnisse gestellt. Im Allgemeinen fiel es etwas schwer, den Dozenten wirklich vollständig ernst zu nehmen, da er doch eine Art ”Die-ganze-Welt-hat-sich-gegen-uns-verschworen” Aura ausstrahlte. Er stand vorne an der Tafel und wirkte fast wie ein Prediger. Ein Prediger für eine bessere Welt und gegen die ganzen “bösen” Ärzte.

Trotz fragwürdiger Ausstrahlung waren aber doch einige seiner Inhalte durchaus bedenkenswert. Denn viele Menschen, die über Organspende nachdenken, fragen sich ja: Wie kann ich wirklich sicher sein, dass die Ärzte mir die Organe erst entnehmen, wenn ich wirklich tot bin? Der Dozent zeigte uns einen kurzen Film, in dem hirntoten Menschen ein Schmerzreiz (z.B. fester Kniff in den Oberarm) zugefügt wurde. Man konnte deutlich sehen, dass sie durchaus noch Reaktionen auf diese äußeren Einflüsse zeigten. Einer der gefilmten Patienten zog sogar seinen Arm in Richtung der Stelle, wo ein Schmerzreiz gesetzt wurde. Für den Psychologen stand permanent die Frage im Vordergrund: “Wann ist ein Mensch tot? Sind solche Menschen für euch tot, die so gezielt noch auf Schmerzreize reagieren?”

Ein weiterer Punkt war, dass vielen Hirntoten im OP bei der Organentnahme noch Schmerzmittel gegeben werden. Aus biologischer Sicht dürften vollständig hirntote Patienten keinen Schmerz beim Aufschneiden des Bauchraumes mehr empfinden. Wieso also trotzdem starke Schmerzmedikamente? Ein Arzt gab im OP wohl einmal folgende Erklärung ab: “Ich will auf Nummer sicher gehen. Das ist zur Beruhigung meines Gewissens”.

Das waren zwei wirklich sehr eindrucksvolle Unterrichtsstunden, doch steht für mich weiterhin fest, dass ich meine Organe vollständig, falls ich einmal hirntot sein sollte, entnommen haben möchte. Ich persönlich denke, dass ein hirntoter Patient durchaus als “tot” bezeichnet werden kann, denn er wird nie mehr aufwachen (was der Dozent auch selbst nachdrücklich zugegeben hat). Wieso sollen Angehörige noch jahrelang um einen Menschen trauern, der nur durch Maschinen künstlich am Leben erhalten wird, aber dessen Gehirn nie mehr so funktionieren kann, als dass er aufstehen und sprechen wird? Man sollte das “Leben” nicht künstlich um Jahre verlängern, wenn dies niemals mehr zu einem besseren Ende führen wird. Das ist gegen die Natur. Gegen den Kreislauf von Leben und Sterben. Man muss irgendwann loslassen und Abschied nehmen können. Wie schön ist es, wenn man trotz Trauer und Verlust noch vielen anderen Menschen ein längeres, besseres Leben schenken kann, indem man ihnen ein neues Herz oder eine neue Lunge gibt?

In meiner Familie gibt es auch jemanden, der bisher vergeblich auf eine neue Niere wartet, weshalb ich vielleicht zusätzlich sehr “Pro-Organspende” bin. Ich habe meinen Organspendeausweis jedenfalls nach dem Unterricht diese Woche nicht zerrissen, denn meine Meinung ist in dieser Hinsicht doch sehr gefestigt. Vielleicht konnte ich euch einen kleinen Denkanstoß in diese Richtung geben. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr einige, gerne kritische Meinungen zu diesem Thema hier im Blog äußern würdet. Meine Meinung ist durchaus anfechtbar, doch genau das macht ja das Leben aus: die Vielfalt der einzelnen Individuen…. und ihr Kommen und Gehen. Liebe Grüße, Svenja

Wir waren in Berlin!

Veröffentlicht am 8. Mai 2012 von Daniel Siegen in Azubi-Blog Krankenpflege
Tags: , , ,

http://youtu.be/RTYpqIK_qAI Unser Azubi-Blogger Daniel im Video-Interview… schön wars!! Berlin ist eine Reise wert, das kann man schon sagen. Wir hatten sehr viel Spaß. Am ersten Tag stand noch eine Stadtrundfahrt an, nach 8 Stunden Zugfahrt nicht ohne. Aber durch die nette und lustige Reiseleitung ein echtes Erlebnis. Wir besuchten das Stasimuseum, wo wir einen sehr guten und umfangreichen Eindruck über die Stasi bekommen haben, vieles war uns noch nicht bekannt. Diesen Programmpunkt kann ich nur empfehlen.

Der Bundestag durfte natürlich auch nicht fehlen, auch jedem, der in Berlin ist, zu empfehlen. Das Wetter spielte auch einigermaßen mit, und wir konnten uns in eine Strandbar an der Spree setzen und einen Abend auf einem Restaurantboot essen. Als Gruppe hatten wir sehr viel Spaß und auch das Abendprogramm kam nicht zu kurz.

Besonders gefreut hat uns der Besuch von Maja und Claudine von SOZIALE BERUFE kann nicht jeder in unserem Jugendhotel. Wir tauschten uns in der Gruppe aus und es wurden auch Videointerviews gedreht. Man darf gespannt sein!

Ab Morgen geht’s auf die Palliativstation im Krankenhaus. Ich werde berichten sobald ich einen Eindruck von der Station bekommen hab. In diesem Sinne, bis bald. LG, Daniel

Annika (20) macht ihr Diakonisches Jahr im Ausland in einem Kindergarten in Budapest. Das bedeutet Flamenco-Unterricht, Paprika zum Frühstück und Roma-Musikabende, aber auch Kommunikation ohne Worte und Kulturschock.

Aus meinem Reisetagebuch, September 2011: „Endlich angekommen. Wir finden es irgendwie perfekt, weil es so unperfekt ist hier. Fünfter Stock hinter Gittern, Betrunkene vor der Tür, Hochhausreihenaussicht und mein Stuhl brach auch gleich unter mir zusammen. Aber ich fühle mich wohl und freue mich. Die total netten Kinder lachen, obwohl ich die ganze Zeit nur frage, ob sie hungrig oder müde sind, und ihnen immer wieder meinen Namen sage.

In Budapest hieß es, neue Eindrücke auf allen Ebenen im Rekordtempo zu verarbeiten, sich in der Stadt zu orientieren, die Arbeit kennen zu lernen, die WG einzurichten. Nebenbei fühlten wir uns wie die Könige Ungarns, wenn Touristenschwärme an uns vorbeiströmten („Wir WOHNEN hier!“). Meine Arbeit im Kindergarten kam mir auf den ersten Blick perfekt vor, wobei die Kommunikation fast nur non-verbal stattfand (in meiner Einsatzstelle spricht außer einem fünfjährigen Halbamerikaner niemand Englisch). Ich hatte Glück, dass es mir nicht schwer fällt, auf Menschen zuzugehen, weil die Ungarn selten den ersten Schritt machen oder ein Gespräch beginnen.

Aus meinem Reisetagebuch, Oktober 2011: „Ich hätte gerade Lust zu verstehen, was man mir sagt. Lust sagen zu können, was ich denke. Lust, alle Welt vollzuquatschen, den Kindern Albernheiten ins Ohr zu flüstern. Manchmal auch Lust, in Rock und Bluse das Sagen zu haben, statt verständnislos lächelnd das Geschirr zusammen zu räumen. Lust, ein geordnetes Leben zu führen mit stabilen Möbeln und Nachbarn, die morgens Brötchen einkaufen gehen statt sich noch in der Dämmerung Schnaps Nr. 1 in die Kehle zu schütten. Lust auf eine Aufgabe, die ich bin.“

Nach einigen Wochen wurde es anstrengend, wortlos Kinder kennen zu lernen, wenn man ihre Namen nicht einmal von dem unterscheiden kann, was sie einem sonst sagen wollen. Nach einer anfänglichen Phase kulinarischer Toleranz ekelte mich ungarisches Essen nun hauptsächlich – fett und frittiert und süß. Irgendwann war meine Eingewöhnungsphase im Kindergarten beendet und die „richtige“ Arbeit fing an, wobei mir das niemand wirklich mitteilte. Ungarn kommunizieren indirekt, sie sprechen Probleme nicht an, sondern machen durch ihre Laune deutlich, dass etwas nicht richtig ist. Absprachen scheinen hier einfach nicht zur gängigen Arbeitsweise zu gehören. Da ich aber neu, sprachlich beschränkt und an klare „deutsche“ Ansagen gewohnt war, misslang das Einfügen ins System „Csipkebokor Kindergarten“ ein wenig.  Mein Leben in Budapest teilte sich in superschön (Zusammensein mit den anderen Freiwilligen, Entdeckungen in Budapest) und furchtbar (Arbeit).

Aus meinem Reisetagebuch, Dezember 2011: „Die Begegnungen mit anderen Freiwilligen machen einen riesigen Teil der Erfahrung aus. Ich weiß jetzt, dass ich mein Projekt ändern muss, damit ich etwas TUN kann in Budapest. Fast drei Monate sind um und ich muss mich hier neu definieren, weil ich mir falsche Vorstellungen gemacht habe.

Mit diesem Scherbenhaufen im Rucksack fuhr ich zu unserem Zwischenseminar in einem verschneiten Dorf am Donauufer. „Kisoroszi“ mit seinen kleinen bunten Häusern und Kopftuch tragenden Frauen auf Fahrrädern verwandelte sich für ein paar Tage in ein junges Miniatureuropa. Die Freiwilligen kamen aus allen Teilen des Kontinents. Wir mischten mit Roberto aus Spanien Sangrilla, lauschten mit Baiba lettischer Musik, diskutierten über die Arbeitsmarktsituation in unseren Heimatländern. Ein sehr intensiver Austausch, gleichzeitig war ganz viel Zeit für Reflexion über die eigene Situation im Freiwilligendienst. Der Vergleich war hilfreich, genauso wie die Rückbesinnung auf Ziele und eigene Stärken. Zurück in Budapest hatte ich vor allem ein Wort im Kopf: NEU. Ich krempelte nicht nur meinen Teil unseres Zimmers um, sondern versuchte auch, konkret gegen meine Probleme vorzugehen: Im Kindergarten führte ich Gespräche mit meinen Kolleginnen und meiner Chefin und bat um Freiräume und direkte Kommunikation. Ich spürte immer mehr, wie meine sprachlichen Fortschritte mir das Zutrauen der Kinder schenkten – meine Arbeit begann, wieder Spaß zu machen.

Aus meinem Reisetagebuch, Januar 2012: „Ich bin hier gezwungen, komplett aus mir selbst heraus zu leben. Hier ist niemand, der mir Noten gibt für das, was ich mache. Niemand gibt mir vor, was ich bis wann machen soll: Ich habe hier nur meine persönliche Einschätzung als Maßstab. Am Anfang dachte ich, man gibt mir Freiräume und Dinge, um die ich mich kümmern soll – schließlich habe ich gemerkt, dass ich sie mir selber ausdenken und vor allem einfordern muss.“

Das neue Jahr begann mit viel Entdeckungslust und Motivation. Ich entwickelte für meine Projekte mit den Kindern einen Plan mit der Überschrift „Horizonterweiterung“. Mir war so oft Desinteresse an fremden Ländern und Sprachen, Angst vor fremden Kulturen begegnet, dass ich meine Chance und Aufgabe darin sah, den Kindern Neugierde auf Fremdes zu vermitteln. So ging ich konstruktiv an die Planung der Aktivitäten mit den Kindern, von Ausflügen und kulturellen Veranstaltungen. Der Spaß an meiner Arbeit wuchs in den Februar hinein geradezu exponentiell an. Mein „Projekt-Freiraum“ musste aber noch ein wenig erkämpft werden und an so manchem vor Papierschnipseln auf unserem WG-Boden verbrachten Nachmittag fragte ich mich schon, wozu ich mir das eigentlich antat. Die Antwort gaben mir schließlich die begeisterten Kinder – und mehr brauchte ich dann auch nicht mehr. Für sie war ich hier, nicht, um meine Kolleginnen zufrieden zu stellen. Wobei die plötzlich auch merkten, dass sie von meiner Kreativität profitieren können. Auf einmal musste ich nicht mehr Vorschläge bringen und nachfragen und bitten, sondern sie kamen zu mir und baten mich um Impulse. Die Faschingsdekoration, Theaterstückkostüme, Material für Themenwochen, Lieder, Spiele… Ich bin jetzt also nicht mehr nur „Mädchen für alles und die Kinder“, sondern auch kreativer Kopf.

Aus meinem Reisetagebuch, April 2012: „Ich hab grad einfach nur schöne Lebensgefühle: Die Busfahrer singen, Vögel fliegen schwarz und pink-orange über bibbernde Morgenmenschen hinweg, die Kinder umarmen mich ständig, spielen mit mir Schach, Budapest und Ungarn sind jetzt so normal für mich, dass so viele schöne Dinge plötzlich aufblühen, ich erkenne, wie viel Tradition und Alltag ich im Kindergarten miterleben darf, ich steige ohne mit der Wimper zu zucken in Trolley, Metro und Tram, meine Wand ist kunterbunt, mein Kalender voll, der Himmel ist einfach immer nur Sonne; ich muss nur an Kinderhände in Zeitungsschnipseln, an Kirschen in Gelee und Café-Jazzmusik, an Kulturfluten und all die Möglichkeiten um mich her denken: Ich bin glücklich. Weil ich nicht mehr zu Fehlern und Pflichterfüllung und oberflächlichen Vergnügungen und Platzsuchen gezwungen bin. Ich bin hier (!) in jedem Lebensbereich.“


Alle Infos zum Diakonischen Jahr im Ausland hier

Annika macht ein Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA) über die Evangelischen Freiwilligendienste für junge Menschen FSJ und DJiA gGmbH.

 

Ihr Dienst wird gefördert als Europäischer Freiwilligendienst über das Programm „Jugend in Aktion“ der Europäischen Kommission.