Wie war’s in Wien? Krankenpflegerin Svenja berichtet vom Auslandspraktikum

Svenja3“Grüß Gott”, liebe Community! Anders als versprochen folgt mein Blog-Eintrag nun doch erst NACH meinem Abenteuer (Auslandspraktikum im Uniklinikum Wien), da ich es sehr angenehm empfunden habe, 6 Wochen lang einmal vollständig OHNE Internet vor mich hinzuleben 😉 Daher muss ich nun mit meiner Erzählung sechs Wochen zurückgehen, als ich, mit meinem bis zum Platzen vollgepackten Trekking-Rucksack, in aller Frühe zum Hamburger Flughafen gefahren bin. Ich war nervös ohne Ende, doch die Vorfreude war größer. Endlich hat die ganze Organisation ein Ende, jetzt geht es einfach nur noch los. Wien ich komme 😀

Das erste Wochenende musste ich noch in einem Hostel überbrücke, da ich erst am Montag mein Appartment im Personalwohnheim des AKH Wien beziehen konnte. Daher nächtigte ich also in einem 12-Betten-Mädchen-Schlafsaal des Hostels „Ruthensteiner“ im Herzen Wiens, was ich wirklich empfehlen kann, da es für einen super Preis sauber und gemütlich ist. Sehr spannend waren die Begegnungen mit einer Londonerin, einer Australierin, zwei Französinnen und einer Chinesin, die mit mir das Zimmer teilten. Gelobet sei die englische Sprache, die möglich machte, dass wir uns über unsere Heimatländer bzw. bereits bereiste Städte unterhalten konnten. Es entstanden wirklich super interessante Gespräche, die meinen ersten Abend in Wien sehr angenehm machten.

AKH-Bild

Quelle: http://www.akhwien.at/default.aspx?pid=1

Die Tage nutzte ich natürlich, um durch die Stadt zu wandern, wobei die Kälte irgendwann bis auf die Knochen vorgedrungen war, weshalb ich wieder ins warme Hostel zurückkehrte. Gleichzeitig kundschaftete ich noch aus, wo sich das AKH befindet, sodass ich am Montag bereits ungefähr wusste in welche Richtung ich fahren musste. Natürlich habe ich mich am ersten Tag TROTZDEM erstmal gnadenlos verlaufen, allerdings im Krankenhaus selbst. Es ist wirklich eine kleine Stadt für sich, doch was soll man auch anderes erwarten vom immerhin zweitgrößten Krankenhaus Europas? (Das größte ist übrigens nach meiner Recherche die Charité in Berlin).

Alleine in der Eingangshalle gab es einen Supermarkt, eine Post, eine Bank, einen Blumenladen, ein Kiosk, eine Bäckerei, ein Fast-Food Imbiss (!) und…. ungelogen…. einen Starbucks! Das war für mich, die in einem kleinen Krankenhaus wie dem Bethesda Krankenhaus Bergedorf  ausgebildet wird, natürlich ein Grund mit großen Augen und gezückter Kamera umherzulaufen (war sicherlich ein eher lustiger Anblick :D).

So kam ich also mit ungefähr 10 Minuten Verspätung im Büro der Oberschwester für die Gefäßchirurgie an, wo mich erstmal noch ein wenig Bürokratie (ohne geht es wohl einfach nicht) erwartete. Als dann endlich alles erledigt war, ging es auf die Station. Meine Praxisanleiterin begrüßte mich dort direkt und nachdem ich dann auch mit Arbeitsklamotten versorgt war, begann der Rundgang über die Station 20B „Gefäßchirurgie“. Alleine, dass ich auf einer so spezialisierten Station arbeiten konnte, da es im Bethesda lediglich „Chirurgie“ und „Innere“ gibt, war bereits ein Erlebnis für mich. Ich hatte dort also nur mit Patienten zu tun, deren Venen oder Arterien nicht mehr zuverlässig das Blut durch den Körper transportieren und die deswegen an offenen Wunden und starke Schmerzen litten.

Das erste „ausländische“ Wort, das ich lernen musste, war „Tackerl“. Meine Praxisanleiterin musste grinsen, als ich ihr erzählte, dass die „Tackerl“ in Deutschland „Moltex“ oder abgekürzt einfach „Molli“ heißen. Nun ja, die nächsten sechs Wochen waren die grünen Allzweckunterlagen also auch für mich ein „Tackerl“.

Die nächste Überraschung wartete dann auf mich, als wir uns hinsetzten, um meinen Dienstplan zu schreiben (alleine die Tatsache, dass ich mitbestimmen konnte, wie mein Dienstplan aussieht, fand ich schon toll, da im Bethesda die Stationsleitung den Plan schreibt und man diesen als Schüler per Telefon erfragt, bevor man auf die neue Station kommt)… die Schwestern in Österreich arbeiten in 12-Stunden-Schichten! Mir wurde freigstellt, ob ich dies auch tun möchte, oder ob ich lieber bei meinen gewohnten, deutschen 8 Stunden bleibe. Da ich aber einen Auslandseinsatz mache, um die Gepflogenheiten in der Ferne kennenzulernen ließ ich mich natürlich auf das 12-Stunden-Abenteuer ein…. mittlerweile, nach 6 Wochen ausprobieren, finde ich dieses System sogar besser, als das Deutsche. In Österreich gibt es dadurch eben nur den „Tag-“ bzw. den „Nachtdienst“ und nicht wie bei uns „Früh-„, „Spät-„ und „Nachtdienst“ (und dazu noch etliche Zwischendienste, um die Übergänge von „Spät“ zu „Früh“ arbeiterfreundlich zu gewährleisten). Man hat seinen Wochensoll an Stunden mit drei Arbeitstagen abgedeckt, wodurch man vier Tage in der Woche frei hat, die man effektiv nutzen kann. Ich hatte wirklich das Gefühl ständig frei zu haben und total wenig zu arbeiten, obwohl meine Gesamtstundenanzahl genauso viel war, wie in sechs Wochen Einsätzen im deutschen Krankenhaus.

Ansonsten gab es nicht besonders viele Unterschiede, was das Aufgabenspektrum der Krankenschwestern betrifft. Die Stationsleitung („sie“ war männlich 😉 ) stand allerdings in sehr engem Kontakt mit den Ärzten und ein großes Mitspracherecht bezüglich OP-Planung, Entlassungsmanagement oder Verlegungen. Dies liegt daran, dass in Österreich die Pflege ein eigenständiges Berufsfeld ist, was 1997 im neuen Krankenpflegegesetz verankert wurde, wohingegen wir in Deutschland leider immernoch ein „Heil-/Helferberuf“ sind. Nun erstmal genug aus Wien, weitere Berichte folgen 😉 Grüße, Svenja

Candy Berlin

Veröffentlicht von

24 Jahre alt, in der Ausbildung zur Sozialassistentin am Evangelischen Johannesstift Spandau

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde den Beitrag in dem Blog sehr interessant. Bin zufällig darufgestossen, wie das halt mal so ist im Web. Wo kann ich ihn weiterlesen. Würde die
    Geschichte gern weiterlesen. Ich bin Krankenschwester in einem Wiener Krankenhaus und finde das auch als Praxisanleiterin sehr spannend.
    Lg Doris

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