Mit dem Zeugnis in der Hand: Candy denkt an zwei Jahre SozAssi-Ausbildung zurück (1.7.13)

„Eigentlich wusste ich schon immer, dass ich mal mit Menschen zusammen arbeiten möchte, und das nicht einfach oberflächlich, halbfreundlich, muss-orientiert – sondern aus voller Seele, mit ganzem Herzen! Es gibt so viele Menschen, die Hilfe brauchen, auch WIR, deswegen möchte ich diejenige sein, die ihnen genau diese gibt. Ein Kinderlachen, ein Danke, eine Geste, ein Blick, das wonnige Gefühl nach einer guten Tat bewegt uns, einen sozialen Beruf zu wählen, auch wenn nicht immer alles toll und rosarot ist – wie man so schön sagt. Dessen sollte man sich bewusst sein.“

Candy Zeugnisbild

Nach zwei Jahren endlich in den Händen, das Abschlusszeugnis. Nun darf ich mich staatlich geprüfte Sozialassistentin nennen.

Mit diesen Gedanken und Beweggründen begann ich am 15. August.2011 die Ausbildung zur Sozialassistentin im Evangelischen Johannesstift Berlin-Spandau. Mein primäres Ziel war es, nach den zwei Jahren in die Erzieherausbildung zu kommen, und bestenfalls auch im Stift bleiben zu können, denn ehrlich gesagt war ich damals irgendwie sehr verwirrt, was die Zugangsvoraussetzungen für den Erzieher waren. So hielt ich die „Sozialen Fachschulen“ am geeignetsten, denn da wusste ich, ich muss einen guten Abschluss schaffen um die besten Chancen für die dortige Aufnahme zu haben.

Dass sich alles noch so ändern würde und ich sogar meinen Wunsch Erzieherin zu werden fast aufgab, hätte ich zu der Zeit nicht geahnt. Generell hatte ich kaum Vorstellungen, was mich in den zwei Jahren Ausbildung erwartet. Da ich noch ein frischer Berliner war, hoffte ich natürlich auf eine gute Klasse, um eventuell Freundschaften zu schließen, aber auch mein Ziel mit Freude und Spaß erreichen zu können und nicht zu denken „ääh, jetzt musst du da wieder hin -.-“, und ich hatte täglich einen weiten Weg zu beschreiten.

Klassenbild Soz4

Das Zeugnisabschlussfoto der SozA4

Nun ja, das Verhältnis zur Klasse war, sagen wir – durchwachsen. Es gab wirklich anstrengende Phasen, aber ab und zu spürte man eine übereinstimmende Sympathie und Zusammenhalt. Bis aufs dritte Semester bin ich eigentlich sehr gerne zur Schule gegangen. Am Ende der zwei Jahre konnte ich sogar zwei gute Freundinnen dazu gewinnen.

Die Ausbildung selber zog sich eher wie ein Kaugummi. Viele Themen überschnitten sich in einigen Lernfeldern, so dass wir einiges oft doppelt und dreifach durchkauten. Es gab auch Lerninhalte, die  so was von selbsterklärend waren, dass so manche Unterrichtsstunden verschwendet wurden. Gerade die etwas „stärkeren“ SchülerInnen saßen oft da und langweilten sich. Wo ich wirklich was gelernt habe, ist im Lernfeld 2 „Pflege“.  Von Pflege hatte ich zuvor nur wenig Ahnung, denn was hatte ich schon damit zu tun. Hier und da las man sich natürlich ein wenig Wissen an, aber eben nur oberflächlich. Unsere Pflegedozentin war immer sehr bemüht, uns ihr Wissen so gut und so praxisorientiert wie möglich zu übermitteln. Langeweile im Lernfeld 2 gab es so gut wie nie.

Wie schon oft erwähnt war Lernfeld 1 „Pädagogik“ mein Lieblingsfach. Es gab zwar vieles, was ich schon wusste, aber ich konnte immer mitreden. Meinungen anderer brachten mich teilweise zum Umdenken, was mir zu einer neuen Sichtweise verhalf. Mit der Dozentin war ich auch in diesem Lernfeld sehr zufrieden. Sie ist stets eine freundliche Person, lacht viel und versucht sachlich zu bleiben. Manchmal war ihre Art auch anstrengend, denn einige Sachen kann man einfach nicht weglächeln. Ein Lernfeld, welches ich eher weniger mochte war „Ernährung“. Gut, wir haben gekocht und ich habe auch einiges dazu gelernt, dennoch fand ich den Unterricht häufig anstrengend. Gerade in der Küche fand ich die Benotung oft unfair. Manchmal hatte ich das Gefühl, man war sich nicht einig, was man von uns erwartete. Einmal hieß es, wir sind nur Sozialassistenten und wir sollen nicht zu viel von dieser Bezeichnung und den Möglichkeiten nach der Ausbildung erwarten, aber andersrum wurde uns einige Male einiges mehr abverlangt, z.B. bei den Praktikumsberichten.

Die Praktika habe ich sehr genossen. Vom ersten Praktikum in der Altenpflege bis zum letzten Praktikum in einer Wohneinrichtung für beeinträchtigte Kinder und Jugendliche konnte ich immer etwas dazu lernen. Der einschneidenste Punkt in den zwei Jahren war eigentlich das zweite Praktikum. Das habe ich nämlich in einer Schule für schwerstmehrfach behinderte Kinder absolviert. Ich hatte super viel Respekt vor diesem Bereich und bin mehr als nur über meinen Schatten gesprungen, ich bin regelrecht aufgeblüht, und das obwohl ich zuvor Zweifel hatte, den richtigen Bereich für die bevorstehenden acht Wochen gewählt zu haben. Ich muss dazu sagen, dass ich in dieser Zeit auch ein super Team hatte, das mich toll unterstützt und mir alle Berührungsängste genommen hat. Vielen Dank nochmal dafür: Ihr seid der Wahnsinn. 😉

Die Prüfungen kamen schneller als gedacht. Einmal um die eigene Achse gedreht und schwupps waren die zwei Jahre vorbei. Um die Prüfungen wurde ein regelrechter Hype gemacht. Was kommt ran, ist es schwer, wie lange haben wir Zeit – und was ist, wenn wir durchfallen? Ich habe mich nur minder davon anstecken lassen, natürlich hatte ich im Hinterkopf „aah, du musst lernen“ und für Pädagogik habe ich auch wirklich geackert: Um dann am Prüfungstag festzustellen, dass genau das andere Thema ran kommt, aber eigentlich bin ich ziemlich entspannt in die Prüfungen gegangen.  Geschadet hat es nicht, denn ich habe sie alle mit tollen Noten bestanden. Nun konnte sogar die langersehnte Eins im Fach Deutsch auf meinem Zeugnis glänzen. 😀 Generell bin ich mit meinem Zeugnis sehr zufrieden – bis auf Englisch und Sport. Zu Sport muss man aber auch nicht viel sagen, wenn man in zwei Jahren Ausbildung drei verschiedene Dozenten bekommt. In Englisch hat mir das Sprechen ein wenig das Genick gebrochen. Dennoch hat es meinem Abschluss nicht wirklich geschadet und ich konnte mich sogar noch einmal verbessern und verließ die Schule mit einem Durchschnitt von 1,8. Leider hat nicht jeder von uns die Ausbildung bestanden, was ich persönlich sehr schade finde,  es war verschwendete Zeit und verschwendetes Geld bei fast 63€ im Monat über zwei Jahre, denn allzu schwer war sie nicht. Selbst, wenn man kein Ass in der Schule ist. Dennoch musste man sich hier und da auch mal zu Hause hinsetzen und lernen.

Nun stecke ich mitten in den Sommerferien, gönne mir Erholung und tanke Kraft. Die brauche ich nämlich auch, wenn es am 05. August.2013 mit der Erzieherausbildung spezialisiert auf „Hilfen zur Erziehung“ an dem Jane-Addams- Oberstufenzentrum II in Friedrichshain, losgeht. Leider konnte ich dem Johannesstift nicht treu bleiben, obwohl sie mich gern als Schülerin genommen hätten, aber einen fast zweistündigen Fahrweg wollte ich nicht mehr auf mich nehmen. Schade! Denn trotz allem war ich gerne Schülerin an den Sozialen Fachschulen des Evangelischen Johannesstifts Berlin-Spandau.

Liebe Community, ich hoffe sehr, dass ich euch stets informative und interessante Beiträge widmen konnte und mein Ziel der Informationsweitergabe zu der Sozialassistentenausbildung erreicht wurde. Feedbacks sind immer willkommen. Eventuell werdet ihr sogar zukünftig wieder von mir lesen! Bis dahin, alles Gute, und liebe Grüße,  Candy – ehemalige Schülerin der SozA-4

Candy Berlin

Veröffentlicht von

24 Jahre alt, in der Ausbildung zur Sozialassistentin am Evangelischen Johannesstift Spandau

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